Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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Schulden betragen, und niemals verſäumte er, ſich am Verfalltage pünktlich bei ſeinen Gläubigern einzufinden! Freilich kam er unter zehn Mal kaum ein Mal mit Geld; allein er kam doch und bedauerte mit den artig⸗ ſten Worten von der Welt, daß es ihm im Augenblick gerade unmöglich ſey, ſeine Schuld abzutragen, indem eine andere etwas ältere Verbindlichkeit welche übri⸗ gens, im Vorbeigehen geſagt, daſſelbe Schickſal gehabt hatte alle ſeine Einnahmen in Anſpruch genommen habe. Durch den wirklich ſehr natürlichen Ausdruck von Kummer und Verdruß, der auf ſeinem Geſichte lag, glückte es ihm nicht ſelten eine Prolongation auf meh⸗ rere aber doch wenigſtens auf ein paar Wochen zu er⸗ halten. Da er aber einſah, daß er doch die Geduld ſeiner Manichäer ſchon allzulange auf die Proben ge⸗ ſtellt habe, als daß ſich noch eine weitere Erſtreckung derſelben erwarten laſſen könnte, ſo ſchaffte er Gels ſo gut es gehen wollte, denn zu einem Beſuch bei dem Schloßkanzleidiener hatte er denn doch keine Luſt, nicht daß er ein ſolches Mißgeſchick für etwas Ehrenrühriges gehalten hätte ſo delikat dachte er nicht allein ein derartiger unfreiwilliger, Aufenthalt konnte und mußte ſeinem Kredit ſchaden, und Kredit war das einzige Mit⸗ tel, womit er ſich zu halten im Stande war, bis eine reiche Frau, eine Erbſchaft oder eine Anſtelluug ihn für ewige Zeiten auf denStrumpf brachten.

Der Notarius Wetterquiſt war in Allem der offen⸗ bare Gegenſatz. Seine kleine luftige Körperbildung ſtand in völliger Uebereinſtimmung mit ſeinem blaſſen feinen Geſicht und die vornehm gekräuſelte Oberlippe paßte nicht minder zu ſeiner düſtern abgemeſſenen Haltung. Es lag in den Augen des jungen Mannes, obgleich ſie weder ſchwarz noch blau waren, auch nicht die moderne nußbraune Farbe hatten, ſondern ganz einfach in's Graue ſtachen, dennoch etwas Myſtiſches, Etwas, was die Frauenzimmer intereſſant, ja manchmal ſogar entzückend nennen, was aber ſeine Kameraden nicht in ſo vortheil⸗