Teil eines Werkes 
3. Bd. (1858)
Entstehung
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unmöglich wird ſich als ein gewöhnliches Menſchenkind zu be⸗

trachten.“ „Ach, ſie iſt das demüthigſte und re die Gott geſchaffen hat.“ „Reinherzig, das unter iſt ſie gewiß nicht.“ „Ich ſpreche von Thorborg, Herr Capitän.“ „Ich auch. Und ich wage hinzuzufügen daß der milde Scepter den ſie führt— ihr ſelbſt unbewußt— eine verdeckte Herrſchſucht verbirgt. Für dieſe junge hochſinnige und ſchöne Seele wäre es ein Glück, wenn ſie, ſtatt ſo ganz allein oben in den Wolken zu ſchweben, bei Zeiten von der Höhe herabſtiege und recht und ſchlecht ein braves Weib würde, wie ſo manche Andere die ſich nicht als Heilige tituliren laſſen.“ „Ich werde dieſes Geſpräch nie vergeſſen,“ erklärte Emilie. „Darf ich fragen, Herr Capitän, ob Sie jemals mit irgend einer andern Perſon als mit mir über Thorborg geſprochen haben?“ „Mit Niemand als mit ihr ſelbſt.“ „Und da haben Sie es gewagt ihr zu verſtehen zu geben...n „Ganz offen habe ich ihr meine Anſichten über dieſen wie über mehrere andere Gegenſtände dargelegt. Und gleichwohl ſtehe ich in einer höhern und umfaſſenderen Schuld gegen ſie, als irgend Jemand hier ſtehen kann.“ „Warum lohnen Sie ihr dann auf dieſe Art, Herr Capitän?“ „Weil ich ihr auf keine beſſere Art zu lohnen vermag und weil ich eine große Freundſchaft, ein inniges Intereſſe für ſie hege. Ich will in ihr nicht die kleine Schwärmerin ſehen.“ „Das iſt ſie aber auch nicht im Geringſten,“ erklärte Emilie, die jetzt von dem Geſpräch eben ſo gereizt als intereſſirt zu wer⸗ den anfing.„Sie iſt eben ſo aufrichtig als ſie hochſinnig iſt. Sie iſt gottesfürchtig, einfach, ein hilfreicher Engel für Jedermann — Das iſt ihr Signalement, was ihren Charakter betrifft. Und wenn Sie, Herr Capitän, andere Erfahrungen gemacht haben,

inherzigſte aller Weſen

liegt keinem Zweifel— aber demüthig