Teil eines Werkes 
3. Bd. (1858)
Entstehung
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„Nein, ich muß einen entſetzlichen, einen unſeligen Traum träumen.“

Der junge Mann ſprang auf und faßte mit beiden Händen

an ſeine Stirne.

Majken wiegte ſachte ihre Wange gegen ihre Fingerſpitzen. Ihre Seele ſchien nicht in den Augen zu liegen— oder war der Blick nach Innen gerichtet?

„Meine Maid... Sie der ich mein Leben und meine Seele geben möchte, ſie konnte dieſe Worte des Hohnes und des Wahnſinns über ihre Lippen gleiten laſſen... denn hörſt Du... hörſt Du, es iſt unmöglich daß der Gedanke ſich ſo verirren konnte... Ach, ich ſelbſt bin verrückt... Majken, meine treu verlobte Braut, die Du mir auf der Hornborger Ruine des heilige Unterpfand gegeben, ſage doch daß ich ge⸗ träumt habe.“

Niemand antwortete auf ſeine Klage.

„Gott, mein Gott!“ rief er jetzt mit der leidenſchaftlichen Energie der Verzweiflung,„gib mir das Wort das dieſen Zauber löst! Laß mich dieſe zärtliche edelmüthige und liebende Seele wieder finden, ohne welche meine eigene ſich ſelbſt nicht mehr zu finden vermag.“

In ſeinem grenzenloſen Kummer warf er ſich dem angebe⸗ teten Mädchen zu Füßen.

Majken war überwunden.

Sie öffnete ihre Arme, und Gudmar ſtürzte an ihren Buſen, wie der vom Himmel Verwieſene bei der erſten Oeffnung der Pforte jubelnd dahin zurückfliegt.

So hat der Menſch ſchon auf Erden manchen Himmel, aber

auch manche Hölle zu durchwandeln.

„Haſt Du mir verziehen, meine Maid? Ich hätte den Ver⸗ 2

ſtand verloren, wenn ich lange ſo hätte leben müſſen! Du biſt