Teil eines Werkes 
3. Bd. (1858)
Entstehung
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vernünftigen Frau fürchtet und ſich dadurch herabgeſetzt glaubt, der ſetzt vielmehr ſich ſelbſt, ſie und dieſe ganze weiſe und er⸗ habene Einrichtung die man Che nennt herab.“

„Geliebte Majken, in Allem was Du ſagſt waltet Klarheit und Wahrheit vor— aber ich habe ja nur eine einzige Aus⸗ nahme gemacht.“ 94

„Darin liegt es gerade, während ich dagegen gar keine Ausnahme mache.“

„Aber...

„Warte... der Rath einer Gattin verpflichtet den Mann nicht zur unbedingten Folgſamkeit und umgekehrt. Die Vernunft prüft ſowohl auf der einen als auf der andern Seite. Und ob Du nun Zollbeamter oder Kaufmann biſt, ſo könnteſt Du in jedem Fall die Anſicht Deiner Gattin hören. Wenn aber ein Mann es in einer Beziehung für nothwendig hält ſo unab⸗ hängig zu ſtehen, daß ſeine Frau ihm nicht nahe kommen kann, ſo dürfte auch ein zweiter Fall nicht lange auf ſich warten laſſen. Nach dem zweiten kommt der dritte und ſo allmählig einer um den andern, bis ſeine Liebe zur Selbſtſtändigkeit ihn überzeugt hat, daß der Mann in allen Stücken eine Macht ſei die keine andere neben ſich dulden dürfe. In dieſen Grundſätzen die Du jetzt noch nicht vollkommen entwickelt beſitzeſt, die Du Dir aber möglicher Weiſe eines Tags aneignen könnteſt, glaube ich bedenk⸗ lichere Hinderniſſe gegen unſere Verbindung zu erblicken als in irgend einem der Prinzipien welche Papa aufgeſtellt hat.“

„O, das kann nicht Dein Ernſt ſein— ſo grauſame und und bittere Worte kannſt Du nicht mit guter Ueberlegung aus⸗ ſprechen.“

„Ich ſpreche immer wie ich denke.“

„Und das ſagſt Du... D u!“

„Meine Worte enthielten keine Grauſamkeit, Gudmar. Du kannſt an meine Verſicherung glauben daß ſie nicht den tauſend⸗ ſten Theil des Schmerzes ausdrücken der ſie dictirt hat.“

Carlén, ein Handelshaus in den Scheeren. III. 2