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Vielleicht hatte Majken dies geglaubt, denn ſie wartete in ſichtlicher Spannung auf irgend einen Zuſatz. Aber als ſie mehrere Minuten ſo gewartet hatte, konnte Gudmar auf ihrem Geſicht einen kaum merklichen Uebergang von Beſtürzung zu Schmerz wahrnehmen und ſich überzeugen, wie zuletzt die kalte Form einer unerſchütterlichen Entſchloſſenheit eintrat.
Dieſer lange Augenblick hatte ihr Gelegenheit gegeben ſeine Züge eben ſo genau zu erforſchen, wie er die ihrigen erforſcht hatte. Beide ſchienen kaum athmen zu können, und wer ſie ſo ſah, hätte ſich gewiß nicht gedacht daß ſie zwei Liebende ſeien die zufällig aus dem Kreis ihrer gewöhnlichen Eindrücke und Gefühle heraustraten.
Endlich ſprach Majken.
„Du haſt mir Worte geſagt die ich in Folge meines ganzen vergangenen Lebens nie von Dir erwartet hätte. Und mein noch übriges Leben wird nicht hinreichen mich begreifen zu lehren, daß Gudmar Guldbrandsſons Seele es iſt die ſich empört gegen die Gleichheit zwiſchen Mann und Frau, wo ſie möglich iſt— eine Gleichheit die Gott ſelbſt feſtgeſetzt hat, da er Beiden die koſtbare Gabe der Vernunft verlieh, und die Chriſtus ſo ſchön erklärt in den einfachen, aber göttlichen Worten: So ſind ſie jetzt nicht zwei, ſondern eins. O, Gudmar, dieſe Stunde iſt tau⸗ ſendmal bitterer als all die bittern Stunden die ich bisher er⸗ lebt habe. Wenn man gegen äußere Hinderniſſe kämpft, geſchieht es immer mit einer Möglichkeit des Sieges: aber wenn man auf innere ſtößt die nicht einmal Gegenſtände des Kampfes werden können, dann... dann...“—
Sie verſtummte und beugte die Stirne.
„Ich wußte daß ich dieſe Gefühle in Dir erwecken würde, und ich vertheidige mich nicht, denn ich habe Deine innige und reine Liebe, die indeß nicht inniger und ſtärker, aber tauſendmal reiner iſt als die meinige, ſchlecht belohnt.“
Majken antwortete nicht.


