Teil eines Werkes 
3. Bd. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12²

ſelbſt iſt, müßte es nothwendig vorwärts gehen, zumal wenn Du Dich im Anfang unter Papas Leitung ſtellteſt.“

Gudmar ſtand heftig auf und ſchritt zwei oder drei Mal durch das Zimmer.

„Meine Majken,“ ſagte er im Tone eines Menſchen der aus einem tiefen Staunen erwacht,„ich muß Dir gerade heraus ſagen daß ich glaube ich habe mich ſelbſt vor dieſer Stunde nicht gekannt.“

„Was willſt Du ſagen?“

„Etwas was mich ſelbſt erſchreckkund was Muth erfordert, beinahe mehr Muth als ich mit Worten auszudrücken vermag. Gleichwohl muß es unbedingt geſagt werden.“

„Ja, ſei vollkommen aufrichtig. Die geringſte Heuchelei unter einander iſt unſer Beider unwürdig.“

„Das iſt vollkommen wahr— aber ach, es iſt etwas ſo Hartes was ich Dir anvertrauen will. Mein Herz empört ſich dagegen das Wort auszuſprechen... Gewiß werde ich Dich nicht blos betrübt, ſondern auch erbittert ſehen.“

„Du darfſt meine Gefühle nicht unnöthig auf die Folter ſpannen.“

„Begreife es, wenn Du kannſt— ich begreife mich ſelbſt kaum. Aber ich fühle es in dieſem Augenblick ſo deutlich, als ob es mit feurigen Buchſtaben geſchrieben wäre die ich in meiner eigenen Seele leſen könnte, daß ich nie glücklich würde, wenn ich unter einer andern Leitung als meiner eigenen ſtände. So⸗ gar Deine Hand dürfte mich dann drücken. Jetzt iſt es geſagt.“

Im folgenden Augenblick erblaßte Majken dermaßen daß das Nastuch womit ſie über ihre Stirne fuhr nicht viel weißer war als ſie ſelbſt.

Aber obſchon Gudmar dieſe Bläſſe, dieſen Beweis ihrer hef⸗ tigen Gemüthserſchütterung ſah, blieb er doch ganz unbeweglich.

Er ſah drein als hätten ſeine eigenen Worte ihn vernichtet, aber als könnte er ſie dennoch nicht zurücknehmen.

— ·—,—,——

☛————— 2/·/·