Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die Lection, die ich empfangen hatte, gab mir viel zu den⸗ ken; aber leider Gottes, liebe Mama, es waren ganz und gar keine Engelsgedanken. Und wenn er nicht ſo unbeſchreiblich brav und mannhaft ausſähe, während er mir Moral predigt, ſo würde ich noch ſchlimmere Gedanken bekommen. So viel iſt jedenfalls ſicher, daß er niemals einer jener ſtolzen Romanhelden wird, die,

in dunkle weite Mäntel gehüllt, ſich ſo herrlich ausnehmen, wenn ſie von Liebe und Poeſie ſprechen. Das wußte er auch ſicherlich, denn er hatte blos einen großen blauen Friesrock mit ganz abſcheu⸗ lichen Hornknöpfen angezogen.

Der Sonnenaufgang war ein Schauſpiel, das mich einiger⸗ maßen beruhigte. Meine Leiden erſchienen mir wie Stecknadel⸗ köpfe, als ich mich unter all dieſen düſtern Bergen und Inſeln umſah. Hu, welche Ufer, welche unermeßliche Oede, je näher wir dem Fiſcherort kamen! Und doch war dieſe Oede von be⸗ ſchwingten Weſen bewohnt, welche die Freiheit beſitzen ohne Hinderniß und Zwang zwiſchen Himmel und Erde umherzu⸗ ſchweben. Das war groß und ernſt, und ich wurde neu belebt in dieſer durchſichtigen Waſſerwüſte. Auch war mein Mann jetzt liebenswürdiger. Er widmete mir einige freundliche Sorgfalt, um mich gegen die Morgenkälte zu ſchützen, und ich kam in einer recht angenehmen Gemüthsverfaſſung an unſern Beſtimmungsort und in das kleine Haus, das Ake zum Voraus gemiethet hatte. Ich bin überzeugt, daß ich mir wohl da gefallen werde.

Aber Etwas iſt da, was mir nicht gefällt, nämlich der An⸗ fang unſeres hieſigen Lebens. Und jetzt ſind wir bei dem

Punkte angelangt. Ich habe Dir ſchon weiter oben Etwas ge⸗ ſagt, was Du vorher wußteſt, nämlich daß es mir an Ge⸗ duld fehlt. Dieſe riß heute Nachmittag, gleich am erſten Tag, den wir in unſerem eigenen Hauſe zubrachten.

Aber bedenke doch auch, wenn die Gefühle lebendig ſind und das Blut warm in den Adern rinnt, wenn es eine erhabene und erlaubte Sache iſt ſeinen Mann zu lieben, dann iſt es