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demüthigend dies nicht zeigen zu dürfen, und noch demüthigender, wenn man es zeigt, ohne dadurch entſprechende Gefühle hervor⸗ zurufen.
Ich gebe zu, daß die Liebe nicht in den Worten liegt, aber, mein Gott, wie lieblich ſind doch die Worte! und dennoch will ich lieber ſchlechtweg und ohne alle Beiworte Emilie heißen, als ſeine trivialen Zärtlichkeitsausdrücke anhören. Jetzt ſehe ich, wie unruhig Du wirſt, Mama. Nun ja, ich bin heftig geweſen, ich habe mich ausgeſprochen. Er hat mich durch ſein unerträg⸗ liches Phlegma, durch ſeine unſtörbare Ruhe gereizt, und nun ſetzte ich mich hin, um mein Herz vor dir, liebe Mama, auszu⸗ ſchütten; bei dieſer Gelegenheit aber bin ich um ſo viel ruhiger geworden, daß ich zu glauben anfange, ich habe nicht ganz recht gehandelt.
Es iſt ſchon eine gute Weile, daß er ausgegangen iſt; aber jetzt höre ich ihn zurückkommen. Ich weiß, daß ich ihn ſo finden werde, wie wenn gar Nichts vorgefallen wäre, und vielleicht iſt es am beſten, wenn ich auch ſo thue.
Ach, Mama, wenn Du mir in dieſem Augenblicke rathen könnteſt! Hätte nicht unſer Verlobungsabend ſeine Eigenthüm⸗ lichkeiten gehabt, ſo würde ich mich immer ungezwungener fühlen, ich würde weniger argwöhniſch, ja ſogar beſſer ſein.
Aber obſchon ich lieber ſterben als ihn ahnen laſſen möchte, daß ich Etwas von dieſen Eigenthümlichkeiten weiß, ſo hat den⸗ noch dieſes innere Bewußtſein und meine Unzufriedenheit mit mir ſelbſt zur Folge, daß ich beſtändig meine Würde in Gefahr glaube— und wenn ich um irgend Etwas ängſtlich beſorgt bin, ſo bin ich's um dieſe Würde, die ich zwar ſelbſt verletzen kann, deren Verletzung ich aber keinem andern Menſchen erlaube. Ge⸗ nug! jetzt eile ich zu ihm und vertraue auf den Rath des Augenblicks.
Fortſetzung nächſtens...


