Teil eines Werkes 
Sammlung 4 : 5 (1826) Die Versuchung
Entstehung
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nicht denkbar. Die Maͤdchen, die bei der heutigen Erziehung faſt gar zu viel lernen, ſind darum nicht gluͤcklichere Frauen, als un⸗ ſere Großmuͤtter und Urgroßmuͤtter, welche minder gelehrt waren ihren Mann aber, ge⸗ gen ihn ſelbſt, ihren Schatz; gegen ihre Freun⸗ dinnen, ihren Liebſten; und gegen die Dienſt⸗ boten, ihren Herrn nannten. Wir alle loben die alte Zeit, wollen aber nicht zu ihrer Ein⸗ falt zuruͤckkehren; wie wuͤrden unſere Mode⸗ damen lachen, wenn eine ſchlichte, ehrliche Frau zu ihrem Mann, mein Schatz, mein Liebſter, ſagte? Durch das groͤßere Wiſſen ſtehen die Frauen jetzt hoͤher im Range; ſie machen die Herrſchaft im Hauſe dem Manne ſtreittg, und doch kann da nur einer Herr ſeyn, und darum geht es in unſern Haͤuſern nicht mehr ſo ſtill und friedlich her, als in der guten, alten Zeit, wo die Frau ihren Platz fuͤllte, und nur ſo viel wußte als ihr noͤthig war.

Wie alt biſt Du denn jeßt, Linchen 2 fragte der Profeſſor, ſeinen Ohren kaum

trauend, das jugendliche Maͤdchen ſo altklug plaudern zu hoͤren.

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