8 17 Neunzehn, erwiederte Lina, und blickte, den Grund der Frage ahnend, nieder, als ſchaͤme ſie ſich ihres vorlauten Geſchwaͤtzes. Du ſprichſt, entgegnete der Herr Profeſſor etwas ſpitz: als waͤrſt Du funfzig. Leider, erwiederte Lina etwas ernſter: habe ich in den letztern Jahren ſo manche Erfah⸗ rung gemacht, die vielleicht andern meines Al⸗
ters fremd blieb⸗
Wohl Dir, wenn dieſe Lehrerin bei Dir an die Stelle der Erziehung getreten iſt; ſagte der Profeſſor mit einem Blicke, als meine er, daß letztere nicht weit her geweſen ſey. Das ertrug die Redefertige aber nicht; ſie ſchien es darauf angelegt zu haben, uns ihre Anſichten, gleich beim erſten Eintritt in das Haus, un⸗ umwunden eroͤffnen zu wollen.
Meine Erziehung, hob ſie, uͤber des On⸗ kels Bemerkung empfindlich, von der Erinne⸗ rung an ihre verklaͤrte Mutter, weich und ge⸗ ruͤhrt, und dann doch wieder, nach ihrer eig⸗ nen Weiſe, naiv und drollig, an: meine Er⸗ ziehung iſt der einzige Nachlaß meiner guten, unvergeßlichen Mutter. Ich kann ein bischen
ſchreiben und ein bischen leſen; in der Kirche 2


