war
27 ihm nicht— wenn auch ohne Worte— ge⸗ ſtehen, was ſie in ihrem ſtuͤrmiſch bewegten Her⸗ zen ſo gewaltig draͤngte; wer wußte denn, ob ſich beide je einander wiederſaͤhen? Warum ſollte ſie dem Geliebten nicht heute Kuͤße ohne Zahl gewaͤhren, die ſonſt im Scherze nur einzeln zu⸗ gezaͤhlt wurden? Nie hatte ihm bisher ein Kuß noch lang genug gedauert; wer mag es ihr ver⸗ argen, wenn ſie heut' aus angeſtammter Her⸗ zensguͤte, Sekunden nicht und nicht Minuten zaͤhlte, die ſeine Lippen auf den ihren brann⸗ ten? Sonſt— wer hat geliebt und kennt wohl nicht den Reiz der Liebes⸗Taͤndeleien— ſonſt hatte ſie, nachdem ſie juſt gelaunt, bald nur die Roſengruͤbchen auf der kleinen, runden Hand, ein andermal die friſche Fuͤlle ihres Schwanen⸗ armes, bald auch die Ringellockenpracht der ſtol⸗ zen Stirne, das weiche, tiefe Augenlied, den Pfirſich⸗Sammet ihrer Wangen, den blendend weißen Hals, oder das ſchwellende Purpurroth
der Honiglippe ihm zu kuͤßen eingeraͤumt; doch


