Der Mutter Scheidewort.
Die Mutter ſchlang ſich, als Emil den folgen⸗ den Morgen abreiten wollte, ihm um den Hals und weinte, als ſollten ſie ſich im Leben nicht wieder ſehen. Sie ſchien, auf der einen Seite, die Tren⸗ nung vom einzigen Kinde nicht uͤberleben zu koͤn⸗ nen, auf der andern ſah ſie mit einem gewiſſen Stolze die Ausſichten, die, nach ihrem Wahne, die Zukunft ihm boͤte, im roſigſten Lichte, und betheuer⸗ te, um den Preis ſeines Gluͤcks, den herben Schmerz des Abſchiedes gern tragen zu wollen; ſie nannte des Vaters hartes Urtheil uͤber das Hofleben, uͤber⸗ trieben, einſeitig, und gefaͤllt in einem truͤben MMo⸗ ment ſeiner gewoͤhnlichen Mißlaune, und wollte, nachdem ſich die muͤtterliche Sorgfalt in hundert gute Lehren fuͤr des Sohnes koͤrperliches und gei⸗ ſtiges Wohl ergoſſen hatte, immer noch etwas hin⸗ zufuͤgen, ohne, wie es ſchien, recht zu wiſſen, wie ſie es anzufangen habe, dem gepreßten Herzen Luft zu machen; endlich hob ſie mit ſcheuem Blicke, den ſie von der Erde kaum zu heben vermochte, halb leiſe an:„und endlich, mein lieber, lieber Emil, bitte ich Dich, Niemand zu verurtheilen, ehe Du ihn gehoͤrt, ehe Du ihn ſelbſt gehoͤrt haſt.“
Sie ſagte das mit ſo bedeutſamer Betonung, und mit ſo ſichtbarer Muͤhe, jedem ihrer Worte ſein volles Gewicht zu geben, daß Emil, um vielleicht nahern Aufſchluß uͤber die ſonderbare Weiſe zu er⸗ halten, mit der ſie ihm ihre letzte gute Lehre, oder, wie ſie es nannte, ihre letzte Bitte an das Herz
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