29 Loos unſeres Geſchlechts, wenn uns der Wan⸗ kelmuth deſſen betruͤbt, deſſen Liebe unſere individuelle Seligkeit ſchuf.
War es die mir angeborene Schuͤchtern— heit, die bei'm erſten Ahuen vom Erkalten meines Mannes ſchreckhaft in ſich ſelbſt zu⸗ ruͤckbebte, und beinahe zur Verſchloſſenheit ward, oder die Unmoͤglichkeit, meinen Schmerz eben ſo wie meine Klagen zu unterdrucken, die ihn, der das Froͤhliche liebt und ſucht, nur noch weiter von mir entfernte— ge⸗ nug ich ſah, wie das langſame Abſterben ei— ner Pflanze, an deren Wurzeln ein Wurm nagt, mein eheliches Gluͤck nach und nach dahin welken, und mir blieb nur die herz— liche Freundlichkeit, die Leo's wohlwollendes Gemuͤth allen Menſchen gewöhrt.
Und doch war gerade das, was ich einſt als ganz beſonderes Eigenthum mein nannte, der hoͤchſte Zauber meines Lebens. Sein Streben, nur bei mir zu ſeyn, der feſte, an ſeiner Liebesglut entzuͤndete Glaube, daß er ſeine Welt in mir finde, wie ich die meinige in ihm, ſeine unbegrenzte Hinge—


