— 138— auf mich herab gekommen, du ſprichſt, du begeiſterſt mich 4
Der Hüther der Gläubigen unterbrach ſich einen Augenblick, als ob er eine Harinonie des Himmels höre, als ob er verborgene Worte des Unſichtbaren vernähme, drauf mit faſt übermenſchlicher Stimme fuhr er fort:
»Carl von Burgund! deine Reue hat den Ewigen gerührt; deine Leiden haben deine übelthaten verſöhnt: im Nahmen des gütigen Gottes, im Nahmen des ret⸗ tenden Gottes, alle deine Sünden ſind dir vergeben.«
So ſprach er, ſein Blick glänzte, ſeine Stirn ſtrahlte; ſein weißes Haar umgab ihn mit einer glän⸗ zenden Glorie, er war Johannes, der die Wüſte er⸗ leuchtete; er war Elias auf dem Berge Karmel, wel— cher der Natur wieder Leben gab. „ O Macht der Religion! O Wunder der Fröm⸗ migkeit! Der berüchtigte Carl von Burgund, benom⸗ men aller ſeiner Größe, entkleidet alles ſeines Ruhmes, verloren für jede Hoffnung, todt für alle Seligkeit, fühlt auf die Stimme eines einfachen Dieners des Herrn, am Fuße eines geringen Kreutzes unerwarteten Frieden, ſelige Trunkenheit in ſeiner Seele emporſtei⸗ gen; der Erinnerung wie der Gewiſſensangſt entflie⸗ hend, unverhoffte Tröſtungen empfangend, hat Carl an den erſten Pforten des Himmels weit hinter ſich die Erde gelaſſen⸗
Es erſchien der Graf von Norindall am Eingange des Gebüſches: er hatte alles vernommen, alles ge⸗ hört.—»Ecbert,« redete zu ihm Anſelm, ventreißt eu⸗
42


