Teil eines Werkes 
2. Theil (1824)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

.

129

Die frühe Morgenröthe des dritten Tages brach

eben über dem Thale hervor: Carl konnte nicht länger die ſchreckliche Angſt, welche ihn verzehrte, ertragen.

Der Wachſamkeit Ecbert's zu entfliehen war ſein ein⸗

ziger Wunſch, ſein einziger Gedanke geworden. Ein

Geräuſch ließ ſich hören unten am Pfade, der zur Ein⸗ ſiedeley führte.»Man kommtl« rief Carl. Der Graf

von Norindall eilte ungeſtüm hervor und ſtieg das Ge⸗ birge herab;.. vergebliches Suchen, unnützes War⸗ ten!.. Ecbert kehrte verzweifelnd zur Hütte zu⸗ rück. Der Fürſt war verſchwunden.

Schon war der Herzog von Burgund über den Strom; er eilte durch das Thal: die Thür des Parks zur Abtey war offen; er ging in den Garten.. Aber wie ſollte er ſich bey Elodien einführen? alles ſchlief im Priorate. Nach dem unterirdiſchen Gange, der mit der Capelle in Verbindung ſtand, richtete er ſeine Schritte. Wenn er nicht innerhalb der Kloſter⸗ mauern zur Waiſe kommen konnte, hoffte er wenig⸗ ſtens irgend einen Diener zu begegnen, wel her ihm von ihrem Schickſale Nachricht geben könnte.

Vor dem Gebüſche, in welchem die Aſche Her⸗ ſtall's ruhte, blieb Carl ſtehen: hier hatte er zuerſt erfahren, daß ſie ihn liebe. Im Vorübergehen wollte er das Gebüſch der Liebe und des Todes begrüßen: er ſchritt weiter vor, er theilte mit ſeinen Armen das Laub: ſollte er ſeinen Augen trauen!. Weiß wie die Schneeflocke an den Tannen der Alpen, gebeugt wie der weinende Aſt der Trauerweide an der Quelle, lehnte ſich ein bleicher, klagender Schatten ermattet