— 116— entdecken werdet, der nicht mehr unter den Menſchen herrſchen, und der euch ſeinen Nahmen nur in Gegen⸗ wart des Ewigen vertrauen will.«
»Ich ſchwöre es,« ſprach Anſelm.
Und der Greis bezweifelte nicht mehr, daß der Verbannte vom wilden Berge eine erlauchte Perſon ſey. Hätte Elodie, die reine, vorwurfsfreye Jungfrau, ihn ſo geliebt, wenn nicht einige Tugenden ihn ihrer würdig gezeigt hätten?.„. Anſelm beſtritt nicht mehr ihre unerſchütterliche Beſtimmung; und am folgenden Tage bey den letzten Strahlen der Sonne wollte er fie insgeheim in der Capelle der Abtey mit dem Einſamen verbinden.
Die Waiſe richtete ihre Schritte wieder nach dem
wilden Berget vergebens ſuchte Anſelm ſie im Presby⸗ teriate zurückzuhalten. Sie hatte gefürchtet, ſie möchte den Fürſten beleidigen, und Zweifel in ſeine Seele zu ſetzen ſcheinen, wenn ſie auch nur einen Tag aufhöre, ſich ſeiner Rechtlichkeit zu vertrauen. Am Abende vor der hochzeitlichen Feyer wäre ihn zu verlaſſen grauſam geweſen; Carl hatte ihrer Gegenwart, ſie ſeiner Liebe nöthig.
Mit welchem Entzücken fanden ſie ſich wieder!... Mit welchem zarten Vertrauen unterhielten ſie ſich vor der friedlichen Wohnung, auf der Haide des Waldes von ihrem gegenwärtigem und zukünftigem Glücke! Ach, das vergangene war nichts mehr als ein bloßer Traum. Eins neben dem andern, hatten ſie ſich am Felſen der Hütte unter den einſamen Laubgewölben nieder geſetzt,
ſie hörten weder das ſanfte Zittern der Zephyre, welche


