— 115— Wort habt ihr ausgeſprochen!„ Ziemt es euch, ſo vom edelmüthigen Retter Conrad's zu ſprechen 26 Darauf fuhr ſie mit kraftvoller⸗ feyerlicher Stim⸗
me alſo fort: Reben dem, den die Jungfrau von
Underlach ſich erwählt hat, iſt der mächtige Graf von. Norindall nur ein dunkler Sterblicher ohne Ruf. Der Mann, dem ſie heute ihr Herz gibt, würde morgen, wenn er es wollte, gleich den hohen Mächten der Erde mit Pracht ſich erheben. Seiner Geburt und ſeinem Range nach iſt die Waiſe der Abtey vielmehr des Ein⸗ ſamen unwürdiger, als er es ihrer iſt. Stolz auf ihren Gatten, in die Wüſte zurück gezogen, will Elodie auf dem wilden Berge nur der Liebe gehorchen„„aber ſie könnte dem Ruhme gebiethen.«
Begeiſterung leuchtete in ihrem Blicke. Beſtürzt vor Erſtaunen, ſprach Anſelm:»Elodie, ſeine Geheim⸗ niſſe ſind euch alſo bekannt?. Soo ſprecht endlich, welches iſt ſein Nahmek«—»An Gottes Altar,« antwortete die Waiſe, vwill er ſelbſt euch denſelben enthüllen. Unter dem Gewölbe der Kloſter⸗Capelle ſoll zum letzten Mahle dieſer Nahme aus ſeinem Munde
gehen. Dem Ruhme, der Größe, dem menſchlich eit⸗
len Gepränge entſagt der Einſame für immer. Sollte es ein Diener des Himmels ſeyn, der ihm dieß zum Vorwurfe machte*6
Bey jedem Worte Elodiens wuchs das Erſtaunen Anſelm's.— Mein Vater,« fuhr ſie fort, vbey eurer Zärtlichkeit für mich, bey dem Himmel ſelbſt, der mir dieſe Verbindung gebothen zu haben ſcheint! ſchwöret mir, daß ihr nie der Welt das Daſeyn des Mannes


