Teil eines Werkes 
2. Theil (1824)
Entstehung
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mit einem weiten Purpurmantel bedeckt. Die Luft war gelinde und rein, das Dörfchen in Ruhe und Frie⸗ den; die rothgelben Farben des Herbſtes ſchattirten das Grün der Wälder; die ſcheue Gemſe zeigte ſich hier und da auf öden Felſen; der Lämmergeyer ſchwebte langſam über Wolken dahin, und der Strom rollte ſein klares Waſſer. Nie hatte die Natur der Waiſe ſo ſchön geſchienen; nie war ihr der Anblick des Thales ſo entzückend vorgekommen. Ach! ſo iſt nun das menſch⸗ liche Herz, oft fühlt es den Werth deſſen, was es be⸗ ſizt, nur erſt im Augenblicke des Verluſtes. Mehr zu kiagen als zum Genuſſe beſtimmt, ſchätzt es daswas

es hatte, wenn es dasſelbe nicht mehr hat, und ent⸗

behrt. Sollten ſich demnach die Augen des Menſchen nur öffnen, wenn ſie weinen?. Schon verloren ſich die grauen Mauern des Klo⸗ ſters in der Ferne, ſeine hohen Thürme erhoben ſich ſchweigend, bewohnt von Nachtvögeln und umſchlun⸗ gen von Epheuranken: der Wind blies durch ihre Ber⸗ ſtungen. Keine menſchlichen Schritte ertönten jetzt auf ihren Zinnen, die nur mit den Wolken in Verbindung zu ſtehen ſchienen. Als noch Ehrfurcht gebiethende Rui⸗ nen ſchienen ſie dem Reiſenden ein trauriges Lebewohl zu ſagen, der, weniger glücklich als ſie, die Zerſtörung

ahnet, die Zeit berechnet, und die Sichel kennt, welche

ihn trifft.

Von Wachen umgeben und mit Ketten beladen 8

ſchritt der Fürſt Palzo vor dem Zuge her. Die Trup⸗

pen des Grafen von Norindall zogen langſam zwiſchen wey ſchroffen Felſen hindurch. Plötzlich wurde die Toch⸗