Teil eines Werkes 
2. Theil (1824)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2.

35 Kampf tobte in ihrem Herzen! welche ſchreckliche Mar⸗ ter zerriß ihre Seele! Endlich ſiegte die Pflicht über die Liebe: es war beſtimmt, Elodie wollte nicht die Beſchützerinn verlaſ⸗ ſen, welche Herſtall für ſie gewählt hatte, ſo lange Gefahren und Mißgeſchick ihrem Leben drohten; aber wenn die Gräfinn wieder frey geworden und glücklich wäre, wollte die ſanfte Tochter Helvetien's wieder zu⸗ rückkommen, um ihre Tage im Kloſter von Underlach zu beſchließen. Als der Graf von Norindall von dieſem endlichen

Entſchluſſe Elodien's unterrichtet worden war, dachte er

es ſich mit heimlicher Freude, daß er nun ihr Führer, ihr Vertheidiger, und daß er nun lange Zeit hindurch nicht von ihr getrennt werden würde.

Die Waiſe kehrte zur Gräfinn zurück und wieder⸗ holte ihr die Verſprechungen Ecbert's: ſie theilte der⸗ ſelben ihren gefaßten Entſchluß mit, die Abtey auf einige Zeit zu verlaſſen, und die Dankbarkeit der Grä⸗ finn brach in das lebhafteſte Entzücken aus.

Der Eintritt in's Kloſter war den Bewohnern des Thales nicht mehr verſagt; Vater Anſelm war bey ſeiner jungen Freundinn. Voll Freude, ſie jeder Gefahr entgangen zu ſehen, ſprach der alte Pfarrer;»Wer hat euch durch das Entdecken der Verſchwörung von eurer ſchrecklichen Gefangenſchaft befreyen können 7«»Der Beglücker unſerer Thäler, der Ein ſame.«

Wieder der Einſamelk entgegnete Anſelm, und der Ausdruck ſeines Geſichtes war voll Kunimer.

Elodies, fuhr er lebhaft fort,»habt ihr den