der brennenden Leuchte beſchienen, ſtand ſie da, gleich der flüchtigen und phantaſtiſchen Hoffnung, ein blaſſes Nebelbild, aus dem ein Strahl des Himmels entfuhr.
Des Erebus Geliebte, die Mutter der Träume, hatte die Hälfte des nächtlichen Laufes vollendet, als Elodie die Zinne des Thurmes verließ, und in ihre Zelle leiſe und ungehindert herabſtieg. Sie verſuchte, ſich der Ruhe zu überlaſſen; vergebliche Bemühung! der Schlaf floh ihre Augenlieder; und auf ihrem bren⸗ nenden Lager verbreiteten ſich um ſie Schmerz, Unruhe, Furcht und Schlafloſigkeit.
Kaum hatte die Morgendämmerung den Horizont verſilbert, ſo konnte die Waiſe, obgleich von Mattig⸗
kleit niedergedrückt, nicht mehr ihren aufgeregten Sin⸗ nen gebiethen; ſie ſtand auf: Gebeth iſt die einzige
Zuflucht des Unglücks. Noch ehe Aurora die Bewohner
des Schloſſes erweckt hatte, begab ſich Elodie nach der Capelle; welches auch ihre Leiden ſeyn mochten, hier kam immer Troſt in ihr Herz. Als ein heilender Bal⸗
ſam für die Wunden der Seele iſt das Gebeth der ge⸗
heiligte Faden, welcher die Erde mit dem Himmel ver⸗
bindet: durch das Gebeth kann aus den Wohnungen der Unſterblichen der göttliche Hauch des Unerforſch⸗ lichen auf die Menſchen ſich herablaſſen.
Fünf Mahl hatte die Uhr an die hohe Glocke der Abtey nach der Stunde der Mitternacht geſchlagen, ſeit Elodie die Leuchte des Thurmes verlaſſen hatte. Von den Stufen des Altars wandte ſie ſich nach der ſchwei⸗ genden Gruft, wo die ſterbliche Hülle ihrer Mutter
ruhte. Trauerlampen brannten hier Tag und Nacht,


