— 10— gungen entziehen zu können, welche ſie von nun an nicht mehr trunken machen konnten. Gegen die Mitte des folgenden Tages begab ſich die Tochter St. Maur's in den Saal der Abtey: die Gräfinn Imberg wünſchte ſie dort einen Augenblick allein zu ſprechen: Elodie ſah den Zweck der verlangten Unterredung voraus; ſie ahnete neue Nachſtellungen und ſammelte alle Kräfte ihres Geiſtes; ſie ſchickte ſich an, mit Feſtigkeit gegen das Ungewitter zu kämpfen, welches ihr drohte.
Die Gräfinn Imberg breitete wie gewöhnlich ihrer Nichte die Arme entgegen, und nachdem ſie dieſelbe hatte zu ſich ſetzen laſſen, ſprach ſie mit dem ſanfteſteg Tone zu ihr:
»Von der Vorſehung mit der Sorge beladen, über die Waiſe von Underlach zu wachen, war ich in dieſe Gegend gekommen, um das mir auferlegte Werk zu vollbringen; aber anſtatt einer zu erfüllenden Pflicht war mir hier der reinſte Genuß aufbehalten. Theure Elodie! der Himmel hatte mir ein Kind verſagt; ich fühle im Grunde meines Herzens, daß er heute endlich meine Bitten erhört hat. Ich habe eine Tochter erhal⸗ ten, ich beſitze eine Tochter, und ich will ganz ihre Mutter ſeyn: mein Vermögen iſt beträchtlich, ihr wißt es, und dieß Vermögen ſoll euch gehören. Euch beſtimme ich meine Reichthümer; und ich werde das koſt⸗ barſte Gegengeſchenk erhalten, wenn meine Pflegetoch⸗ ter mir ihr Herz zuwendet.«
Gerührt von dieſer Rede tadelte ſich die vertrau⸗ ungsvolle Elodie insgeheim über ihre voreilig gefaßte


