gibt keinen wirklich allein Stehenden, als den Un⸗ empfindlichen; es gibt keinen wahrhaft Verbannten als den Vergeſſenen.
Die Stunden flohen. Plötzlich ſah Elodie auf einem der Felſen, welche das Thal beherrſchten, eine ihr unbekannte Flamme ſich erheben. Sie leuchtete einen Augenblick und verſchwand. Auf dem Gipfel des entgegengeſetzten Felſens erhob ſich ſchnell auch eine gleiche Flamme, und verſchwand eben ſo: es wa⸗ ren Zeichen, welche ſich entſprachen. Längs des ge⸗ krümmten Pfades, der nach der Brücke des Stromes hinabführte, bemerkte ſie eine zahlreiche Truppe be⸗ waffneter Bergbewohner, welche eiligſt ſich mitten in den Wald ſtürzten. Wo bildeten ſich dieſe finſtern Banden? Welches Haupt verſammelte dieſe regelloſen Horden? Die aufgeſchreckte Waiſe konnte ſich nicht mehr dem Schlafe hingeben, und an die eiſer⸗ nen Stäbe ibres Fenſters geſtützt, beobachtete ſie im⸗ merfort die fremdartigen Bewegungen welche ſich auf den Höhen um das Thal bemerkbar machten; und die nächtlichen Signale, welche von Ferne zu Ferne rings um das Kloſter her ſich wiederholten. Kaum brach noch ein Stray der Morgendämmerung hervor. Ein geräuſchvoller Lärm von Stimmen, Waffen und Roſſen ſchlug an das Ohr Elodiens. Kamen neue Fremdlinge im Priorate an? Sind das die Eilbothen, welche der Fürſt empfing oder abgehen ließ? Bedro⸗ hen Gefahren die Gegend? Behuthſam öffnete dre Waiſe die Thür ihrer Zelle, ging leiſe über den lan⸗ gen Corridor des Kloſters, und durch eines der hohen
Der Einſame. 1. 5
S


