— 134— einige liberreſte von Schönheit. Zu aller Zeit war die Bewunderung an ihre Schritte gefeſſelt geweſen; aber in den Tagen ihres Frühlings hatte dieſes Gefühl, das einzige, welches ſie einzuflößen gewußt hatte, nur die Plage ihres Lebens ausgemacht; eine Frau iſt nicht bloß darum ſchön, um bewundert zu werden.
Die Jahre hatten ihre Rectze zerſtört; ſie harte die Liebe nicht gebiethen können, ſo wollte ſie die Mei⸗ nung unterjochen.
Ihr Vermögen erlaubte ihr dieſen Aufwand, ſie blendete die Männer durch ihre Pracht und Freygebig⸗ keit. Ihrem Herzen, welches nicht hatte lieben können, war die Zeit und die von der Natur gegebene Anlage, die Menſchen zu erforſchen, gegeben eine empfindſame
Seele ſieht alles durch einen Schleyer, eine kalte Seele
ſieht alles in ſeiner Nacktheit.
Geſchickt in der Verſtellung, war die Gräfinn Imberg dennoch bekühmt wegen ihrer Aufrichtigkeit. Sie ſchien beſtändig damit beſchäftigt, mit der Nacht des Geheimniſſes ihre großmüthigen und wohlthätigen Hondlungen zu bedecken, und dennoch verbreiteten durch
ihre Gewandtheit vergrößernde Erzählungen die gering⸗ fügigſten Umſtände derſelben. Sie war eines erhabenen Zuges fähig, aber ſie mußte dabey bemerkt werden. Un⸗ umſchränkt in ihrem Willen, ſchien ſie dennoch gewöhn⸗ lich ganz den ihrigen denjenigen zum Opfer zu bringen, welche ſie umgaben. Sie rühmte ſich eines Lebens, das kein ſchuldvoller Irrthum befleckt habe; ihr beſchränkter
Geiſt, der ſeine Handlungen wie ſeine Worte genau


