— 130—
»überwältigt von Müdigkeit, blutend, erſchöpft, unterlag er nun wohl ſeinen Schmerzen? Nein, ſo lange ihm noch einiges Leben blieb, gehört es den Un⸗ glücklichen. Der erhabene Genius trug eine ganze Stunde weit den naſſen und ſtarren Körper des jun⸗ gen Conrad's, und Vater Anſelm erhielt ſeinen Pflege⸗ ſohn wieder«.
»Aber der Einſame wurde verwundet l« rief die Waiſe in Schrecken geſetzt.—»Seine Wunde war leicht,« antwortete Marceline.— Iſt er bey Anſelm geblieben?«—»Der ſtrahlenliebende Adler wohnt nur in den Wolken.«
Der Pfarrer des Dörfchens kam in's Floſter. Elodie
verließ Marcelinen, und flog ihm zum Empfange ent⸗ gegen. Anſelm hielt ein Papier in der Hand.»Hier iſt,« ſagte er, vein Schreiben von der Gräfinn Imberg. Morgen werdet ihr ſie hier empfangen.«—»Schon l« antwortete Elodie.»O mein Vater, werde ich das Thal von Underlach verlaſſen müſſen 24 »Ich kenne die Abſichten eurer Beſchützerinn nicht:
theures Madchen, ſind wir denn Herren unfres Schick⸗ ſals 26— Die Waiſe hatte das Schreiben der Gräfinn gele⸗ ſen, welche lebhaften Antheil an ihrem Schickſale zu nehmen ſchien. Ihre Ausdrücke waren liebevoll; ſie meldete ihre Ankunft in der Abtey, und ihre Geſin⸗ nungen ſchienen eben ſo edel als wohlwollend. »Ihr ſagt mir nichts von Conrad?« ſagte Elodie
nach kurzem Stillſchweigen.—„Er iſt außer Gefahr,« antwortete Anſelm.— MHat er euch die nähern Um⸗


