danken jener der Natur: nicht beachtend das Sauſen der entfeſſelten Winde, die um das Thal ſich ſtritten, bemerkte ſie kaum, daß das Waſſer mit Heftigkeit gegen ihr zerſchlagenes Fenſter ſchlug, und bis zu ih⸗ ren Füßen floß; die Jungfrau dachte nur an den ge⸗ heimnißvollen Unbekannten aus der Capelle. Seine be⸗ wundernswürdige Schönheit, ſeine irren Reden, ſeine rührende Stimme, und beſonders ſein erhobener Blick beſchäftigten unaufhörlich ihre Gedanken. Manchmahl glaubte ſie ſich getäuſcht von einem ſonderbaren Traume, und ſuchte an der Wirklichkeit der Ereigniſſe dieſes Abends zu zweifeln; aber ihre Hand hielt noch den in der Gallerie zurück erhaltenen blauen Gürtel. Wie konnte ſie den nächtlichen Vorfall in Zweifel ziehen, deſſen kleinſte Umſtände ihrer Erinnerung gegenwärtig waren!
Indem ſie vorſtürzte zu dem vom Sturme zer— ſchlagenen Fenſter, und die Augen zum Himmel erhob, rief ſie aus: Hier, wenn Reue den Abgrund verſchließt, hier allein wird er mir ſa⸗ gen können: Ich liebe Dichle
„O mein Gott! fuhr die zitternde Jungfrau fort, was bereitet mir das Schickſal! Woher dieſe plötzliche Zerrüttung meines ganzen Seyns durch einige uner⸗ klärbare Worte aus dem Munde eines Unbekann⸗ ten?. Sollte dieß eine ſchreckliche Vorbedeutung ſeyn? Aber mit welch einem ſanften Tone ſprach er: Ich liebe Dich! Ach! der Schuldige, für den er meine Verzeihung erflehte, war er, nur er konnte es ſehn; hätte er von einem andern geſprochen, wäre er
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