— 34— Speiſeſaal des Kloſters. Hinter ihr ließ ſich ein leich⸗ tes Geräuſch hören: es folgte jemand ihren Schritten. Unter dieſen einſamen Gewölben zeigte ſich eine rieſen⸗ hafte Geſtalt in der Dunkelheit, und ſchritt auf ſie zu. Die furchtſame Elodie erkannte den Religioſen aus der Capelle wieder. Er war allein; ſein Anblick hatte nichts Schreckendes; ſein hoher Wuchs geboth Achtung; ſeine vuhige Haltung war voll Majeſtät, die Schön⸗ heit ſeiner Perſon, das Edle ſeines Ganges, Alles
an ihm kuͤndigte Ueberlegenheit an, Alles an ihm ent⸗
den großen Mann. Die erſte Bewegung der Waiſe war zu fliehen, und dennoch blieb ſie regungslos ſtehen. Beym letz⸗ ten Scheine des Tages ſuchte ſie die Züge des Frem⸗ den zu unterſcheiden. Er näherte ſich, und über⸗ gab ſchweigend der jungen Tochter der Abtey einen blauen Gürtel, den er unter ſeinem Kleide hervorzog. Welch Erſtaunen: es war das aus dem Gartenhauſe entwendete Band. Sprachlos und verſteinert erhob
Elodie einen ſcheuen Blick zum Fremden, den ihre Ein⸗
bildungskraft ihr ſchon als ein übernatürliches Weſen darſtellte. Zitternd wartete ſie.... ohne ſich er⸗ klären zu können, welche fremde Macht ihre Schritte feßle, ihre Stimme erſtarren mache, ihre Gedanken beherrſche. »Du Mädchen von Underlach,« ſagte endlich der Unbekannte, vverzeihe einem Manne des Unglücks, der, wenig Herr der Empfindungen ſeines Herzens,
glaubte, daß ein Band, welches die Unſchuld getragen
hätte, als ein himmliſcher Zauber, ſeinen düſtern
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