Teil eines Werkes 
1. Theil (1824)
Entstehung
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19 ermordet worden, und er ſelbſt war nur durch ein Wunder der Wuth der Burgunder entgangen.

Anſelm beſaß alle evangeliſchen Tugenden der Volkslehrer der erſten Jahrhunderte, aber er verband mit dieſen die unduldſame Strenge der Prieſter des fünfzehnten Jahrhundertes. Wenn Anſelm dem An⸗ triebe ſeines Herzens folgte, ſo zeigte er ſich immer als ein nachgiebiger Apoſtel; aber wo er ſeine Grund⸗ ſätze zur Richtſchnur hatte, war er manchmahl ein fa⸗ natiſcher Diener des Herrn. Er glich gewöhnlich einem friedlichen Fluſſe, welcher als eine wohlthätige Welle dahin fließt, und dennoch, gleich einem entzündeten Vulcane, konnte er, ergriffen von plötzlicher Begei⸗ ſterung, auf verirrte Sterbliche Blitz und Donner ſchleu⸗ dern. Begabt mit tiefem Gefühl und heroiſchem Muthe, bereit ſich für ſeinen Nächſten zu opfern, hielt er auch kein Opfer, keine Anſtrengung der chriſtlichen Liebe für unmöglich. Einfach, aber begeiſtert; ruhig aber ſchwärmeriſch, vereinigte Anſelm in ſich allein zwey merkwürdige Menſchen, zwey ſich entgegen geſetzte Naturen; dieſer Fenelon des Thales hätte ein Sa⸗ muel ſeyn können.

Elodie hatte eben ihr achtzehntes Jehr erreicht. Erzogen in der Einſamkeit, einfach, natürlich und rein, hatte ſie von der Welt ſprechen hören, von ihren Vergnügungen, von ihrer Herrlichkeit und von ihren Gefahren, ohne daran einen Gedanken zu knü⸗ pfen: das Thal von Underlach war ihre Welt, es war hinreichend für ihre Wünſche. Sie hatte andere Him⸗ melsſtriche, andere Länder rühmen hören, ohne je⸗