4 Reiche ſeiner Träume ſucht, und welche ſein Herz im Alter der Liebe ruft, erſchien Elodie auf der Erde, friſcher als die Roſe am Morgen, reiner als die duftenden Lüfte des Frühlings. Die Anmuth ihrer Bewegungen glich der Vollendung ihrer Züge; Elodie, weiß wie das Bett des Thales, ſchön wie das entſtehende Licht auf den Gebirgen des Morgens, übertraf unter den dun⸗ keln Wölbungen der Capelle jedes ideale Bild; ſie glich einem herrlichen Traume. An den Ufern des Scamandrus hätte ſie an die Geliebte des Paris er⸗ innert; in Theſſalien's Gefilden hätte Apollo geglaubt, ſeine Daphne zu erblicken, und unter dem Himmel Arkadiens hätte Alpheus ſie für Arethuſa gehalten.
»Unglückliche!« ſprach Herſtall mit dumpfer Stimme, indem er ſein Geſicht abwendete wie beklage ich dich! Darauf durchſchritt der Greis den dunkeln Raum der Kirche, und ging, begleitet von der Waiſe, in den hohen Thurm der Abtey zurück.
Der Freyherr von Herſtall hatte ſeine früheren Jahre am Burgunder Hofe verlebt, und in den Feld⸗ lagern ſeinen Nahmen berühmt gemacht. In Liebe entbrannt für eine der glänzendſten Schönheiten des Hofes, war er ihr angebetheter Gemahl geworden. Die Geburt eines Kindes hatte allen ſeinen Wünſchen die Krone gegeben: nie glitten glücklichere Liebende den ungeſtümen Strom des Lebens hinab.
Aber ein dauerndes Glück iſt nicht leicht das Loos eines Menſchen; alles zußere Wohlergehen iſt oft nur ein Vorſpiel des Unglücks, und verbreitet ien
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