50 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
sprünglichen Ziele nicht mehr erreicht werden könnten. Während seines Fuchtversuchs bei der Asche- Entsor- gung an der Weichsel wurde er durch Schüsse tödlich verwundet. Finige Tage später wurde seine Leiche zur Abschreckung auf dem Hof von Kre- matorium I aufgebahrt, wo die Häft- linge seines Stammkommandos an dem Toten vorbeigehen mussten.
Datierung Nachdem Mitte Juni 1944 die De- portationen aus Ungarn für mehrere Tage ausgesetzt worden waren, trafen zwischen dem 29. Juni und 11. Juli wie- der verstärkt Transporte ein. Sehr wahrscheinlich wurde in diesem Zeit- raum die Kamera in einer der Entklei- dungsstätten neben den Gaskammern gefunden. Das Kameramodell musste für Schnappschüsse geeignet, mög- lichst klein, einfach zu bedienen und wie eine Rolfilm-Springkamera im Format 6x6, also eine Mittelformat- Klappkamera mit Faltbalgen, gut zu verstecken gewesen sein. Errera hätte für kurze Zeit zu Krematorium IV überstellt worden sein kön- nen, um dort das Gelãnde zu erkunden und um nach ge- eigneten Aufnahme-Stan- dorten für die Beweisfotos zu suchen. Die Aufnahmen wurden an einem einzigen Tag im Meingang gemacht, vermutlich zwischen dem 9. und 11. Juli 1944, als jüdische Deportierte aus Ungarn er- mordet wurden. Die Fotos
Sollten offenbar das Ende der soge- nannten Ungarn-Aktion dokumentie- ren.
Fine alliierte Luftaufnahme vom 8. Juli 1944 zeigt den unfertigen Aus- baustand der Tarnzãune um die Wald- krematorien. Auf dem Entkleidungs- foto sieht man im Hintergrund Teile des Tarnzauns und in der Mitte eine freie Stelle, da der Zaun noch nicht ganz fertig war. Die offene Stelle war vermutlich ein provisorischer Zugang, der schon auf früheren Luftaufnah- men zu erkennen ist, aber auf spãteren Aufnahmen nachweislich nicht mehr existiert.
Reihenfolge und Verortung der Fotoaufnahmen Aus Sicherheitsgründen konnte
der Fotograf nur eine Aufnahme vom Entkleidungsplat? im Freien machen, und zwar in einem unbeobachteten Moment, in dem auf dem Platz SS-Po- sten mit dem Rücken zu ihm standen oder überhaupt nicht anwesend wa- ren. Die Wahrscheinlichkeit, im Freien
Schauplatz der offenen Entkleidungsstätte und Blickrich- tung des Fotografen. Foto O A. Kilian 2016


