48 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
habe, dass die Fotos von einem grie- chischen Juden namens Alex gemacht worden sein sollen. In allen bekannten Aussagen Rosenblums findet sich die- se Angabe jedoch nicht. Da EFrreras mutiger Fluchtversuch von vielen Häftlingen als Heldentat betrachtet wurde und nicht nur im Sonderkom- mando für großes Aufsehen gesorgt hatte, könnte seine Nennung als wag- halsiger Urheber der Fotografien auch nur vorgeschoben oder eine voreilige Schlussfolgerung gewesen sein. Er- reras Urheberschaft liegt im Bereich des Wahrscheinlichen, sie konnte je- doch bislang nicht Zweifelsfrei bewie- sen werden. Die Identifizierung von „AlexX“ als Alberto Errera wurde schließlich im Jahre 2002 in der Son- derkommando-Monografie„Zeugen aus der Todeszone“ erstmals veröf- fentlicht.
Der mutmaßliche Fotograf
Alex(Deminutiv: Alekos) war der Rufname von Alberto Errera, der am 15. Januar 1913 in Thessaloniki gebo- ren wurde, aus einfachen Verhältnis- sen stammte und einen Lebensmittel- laden in Larisa führte. Unter deutscher Besatzung lebte er mit sei- ner Bhefrau und Schwägerin seit Sep- tember 1943 im benachbarten Farsala unter dem Decknamen Alekos Alekx- andridis als Transportunternehmer von Waren. Er wurde fãlschlicherwei- se beschuldigt, KHieferant der Partisa- nen gewesen zu sein und deshalb in Athen von der Gestapo verhaftet.
Familienangehörigen zufolge soll Errera jedoch nie in Griechenland im
Jehoshua Rosenblum, Uberlebender des r Sonderkommandos. Foto O A. Kilian 1995
Widerstand aktiv gewesen sein. Er kämpfte lediglich 1941 als einfacher Soldat im Griechisch-Italienischen Krieg an der albanischen Front. Irrtümlicherweise wurde das Gerücht verbreitet, Errera sei Angehöriger der Oberschicht sowie Offizier in der grie- chischen Armee oder Marine gewesen und hätte mehrere Sprachen ge- sprochen, was jedoch von seinen Familienangehörigen bestritten wird. Errera sprach Griechisch und Judäo- Spanisch, die Sprache der sephardi- schen Juden.
Alex Errera wurde Anfang 1944 als mutmaßlicher Unterstützer der Parti- Sanen in das Athener Konzentrations- und Durchgangslager Chaidari über- Stellt, wo er unter Folter seinen echten Namen und seine jüdische Identität


