Heft 
(1984) Nr. 5
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MARKTEHEIDENEELD

Uber SS-Treffen empört

MUNCHEN, 12. Oktober(dpa). Der Bürgermeister der griechischen Ge- meinde Distomon. Giorgos Sfountouris, hat ein Verbot des am 13. und 14. Okto- ber geplanten Treffens der 4. SS-Poli- zei-Panzergrenadierdivision in Markt- heidenfeld gefordert. Nach Angaben der Vereinigung der Verfolgten des Nazi- Regimes(VVN) vom Donnerstag wies Sfountouris in einem Schreiben an den Bürgermeister von Marktheidenfeld. das Landratsamt sowie an das Innenmini- sterium darauf hin. daß Teile der Divi- sion am 10. Juni 1944 in Distomon 218 Bewohner ermordet hätten.

Für die Opfer gebe es in Distomon jedes Jahr Gedenkfeiern, schrieb Sfoun- touris. Es ist uns unverständlich, wie es in Ihrem Land heute noch möglich ist. daß öffentliche Veranstaltungen solcher Art durchgeführt werden, die nicht nur das Andenken der Toten und den Schmerz der Hinterbliebenen beleidi- gen, sondern auch die Gefühle und Wünsche aller Völker, einschließlich des deutschen, in einer Welt des Friedens zu leben. verletzen.

* 6 X WILLYV BRANDT., hat das im unterfränkischen Markthei- denfeld für den 13. und 14. Oktober ge- planteVeteranentreffen der 4. SS- Polizeidivision scharf verurteilt. Brandt sagte nach Angaben der Münchner Redaktion des SPD-Informationsdien- stesBlick nach rechts, er teile die Empörung derer, die diese und ähn- liche Treffen nicht zugelassen wissen wollen. Mit Blick auf die von vielen demokratischen Organisationen ange- kündigten Gegendemonstrationen sagte Brandt:Die Tatsache, daß der Bundes- minister des Innern den Traditionsver- bänden der Waffen-SS eilfertig das Sie-

gel der Verfassungstreue verliehen hat,

wird Demokraten gewiß nicht hindern, ihren Protest vorzubringen. Unter Hin- weis auf die Verbrechen dieser SS-Divi- sion meinte Brandt, es 15se Empörung aus, wenn bei solchen Treffen eine verbrecherische Führung verherrlicht werde oder eineWiederauflage des Nationalsozialismus propagiert werde.

SPD-Vorsitzender,

Protest gegen SS-Treffen

MARKTHEIDENFELD., 14. Oktober (dpa). Etwa 700 Menschen haben am Samstag gegen das Kameradschaftstref- fen ehemaliger Angehöriger der 4. SS- Polizei-Panzergrenadierdivision im un- terfränktischen Marktheidenfeld(Land-

kreis Main-Spessart) protestiert. Die Demonstration, zu der die Vereinigung

der Antifaschisten(VWVWN) aufgerufe hatte, verlief nach Angaben der Polizci ruhig. Der bayerische VVN.Landesvor- sitzende, Oskar Neumann, erinnerte bei der Kundgebung an dieAusrottung der Zivilbevölkerung durch die Division in den griechischen Orten Klissura, Disto- mon und Kalavrita. Er wandte sich ge- genalten SS-Ungeist und forderte ein Verbotjeder organisatorischen und propagandistischen Nazitätigkeit.

Mit Buhrufen und Pfeifkonzerten reagierten die Kundgebungsteilnehmer auf eineöffentliche Erklärung des parteilosen Marktheidenfelder Bürger- meisters Leonhard Scherg. Darin hieß es, das SS-Treffen haberein privaten Charakter und diene derPflege per- sönlicher Beziehungen.

Weiter Räume für SS-Treffen

MARKTHEIDENFELD, 23. Oktober (AP). Der Kreistag des unterfränkischen Landkreises Main-Spessart hat ent schieden, auch weiterhin kreiseigene Räume für dle umstrittenen Jahrestref- fen der 4. SS-Polizeipanzergrenadier- Division in Marktheidenfeld zur Verfü- gung zu stellen. Der SPD-Bundestagsab- geordnete Uwe Lambinus, der dem Kreistag angehört, berichtete am Diens- tag, ein Verbotsantrag von SPD und Grünen sei mit den Stimmen von CSU, Freien Bürgern und der Main-Spessart- Union abgelehnt worden. Die Entschei- dung des Kreistages sei zustande gekom- men aus einer Mischung vonOpportu- nismus, Ignorantentum und glatter Ver- drängung dessen, was durch die SS im Namen des deutschen Volkes während der NS-Herrschaft geschah, sagte Lambinus.

der Verfolgten des en