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Fein Geld für Zwangsarbeiter
Flick-Konzern lehnt Begleichung„moralischer Schulden“ ab
BONN, 13. November. Der Flick-Kon- zern hat die Aufforderung des trüheren Anklägers beim Nürnberger Kriegsver- brecher-Prozeß, Robert M. W. Kempner, abgelehnt,„moralische Schulden“ ge- genüber Zwangsarbeitern aus dem Zweiten Weltkrieg zu begleichen.
Bereits in den 60er Jahren waren langwierige Verhandlungen?wischen Wertretern der jüdischen Claims Confe- rence, die sich mit den Problemen des Schadensersatzes für Zwangsarbeiter während des Krieges beschäftigt, und dem damaligen Flick-Anwalt Fabian von Schlabrendorff geführt worden. Dabei ging es um Forderungen an die Dynamit-Nobel AG in Troisdorf, die sieh zn etwa 80 Prozent in den Händen von Flick befand und die im Krieg Zwangsarbeiter eingesetzt hatte. Die Slaims Conference forderte damals eine Entschãdigung von 5000 Mark je Betrof- fenem. Bei etwa 1300 Persornen ergab dies einen Gesamtbetrag von rund 6,5 Millionen Mark.
Nach Darstellungen des US-Amerika- ners Benjamin B. Ferencz in seinem Buch„Lohn des Grauens“ soll bei dem damaligen Firmenchef Friedrich Flick die Neigung bestanden haben, sich bei
etwa fünf Millionen Mark zu einigen.
Nach siebenjähriger Verhandlungsdauer und laufenden Vertrõstungen habe der zwischenzeitlich zum Generalbevoll- mächtigten des Konzerns ernannte
berhard von Brauchitsch am 7. Januar 970 dem früheren US-Hochkommissar, John MeCloy, mitgeteilt, Flick„Vermag nicht zu erkennen, daß.. humanitäre oder moralische Gründe“ das Haus Flick zu irgendeiner Zahlung veranlas- sen könnten.
Am Montag wurde vom Flick-Kon- zern gegenüber der FR erklärt, man sei dabei, den Vorgang erneut zu überden- ken. In einem am Dienstag versandten Fernschreiben aber zieht sich die Fried- rich Flick Industrie-Verwaltung, Düs- seldorf, auf die Position zurück, die
Dynamit-Nobel AG sei von der Flick- Gruppe erst 1959 erworben worden und könne deshalb nicht für Vorfälle aus dem Krieg verantwortlich gemacht wer- den.
Robert Kempner hatte sich am 15. Juli 1983 und am 22. Oktober 1984 in persön- lichen Briefen an den Flick-Inhaber Friedrich Karl Flick mit der Bitte ge- wandt, in der Zwangsarbeiter-Frage endlich zu einer finanziellen Regelung zu kommen. Beide Briefe sind nie be- antwortet worden.
NPD fühlt sich ermutigt
MUNCHEN, 4. November(Reuter). Die rechtsextreme NPD fühlt sich von dem überraschenden Erfolg der franzö- sischen„Nationalen Front“ bei der Europa-Wahl im Juni ermutigt. Auf dem 18. NPD-Parteitag sagte der Partei- vorsitzende Martin Mußgnug am Sams- tag in München, der Wahlerfolg der „Nationalen Front“ unter Jean-Marie le Pen zeige„den Beginn der Rückbesin- nung auf die Werte der Nation“ in Europa. Die NPD, deren Wählerschaft von der Bundestagswahl 1983 bis zur Europawahl 1984 bereits von 90 000 auf 198 000 gestiegen sei, steuere nun als „Zwischenziel“ 900 000 Wähler an. Die Partei sei heute in besserer Verfassung
—ls jemals zuvor in seiner 13ährigen Amtszeit und durch die Wahlkampfko- stenerstattung bei der Europa-Wahl erstmals seit Beginn der 70er Jahre wie- der schuldenfrei, sagte Mußgnug. Der Verfassungsschutz hatte die Mitglieder- zahl der NPD 1983 auf rund 6000 ge- schätzt.
Gegen den Parteitag, zu dem rund 1000 Delegierte und Anhänger erschie- nen waren, demonstrierten vor dem von der Polizei abgeriegelten„Schwabinger- bräu“ rund 300 junge Leute. Dabei wur- den drei Demonstranten und ein junger NPD-Anhänger zur Feststellung der Personalien vorübergehend festgenom- mC.


