Düsteres Kapitel deutscher NS-Geschichte
„Vernichtung durch Arbeit“ kend. Manche Firmen forderten für ihre
res Kapitel deutscher Werke, die oft in direkter Nachbar- NS-Geschichte schlägt schaft von Konzentrationslagern ange-
die Berliner Journa- siedelt waren, im Lauf der Jahre Tau- listen Lea Rosh(„III sende von Häftlingen an. Diese Men- nach neun“) auf. In schen mußten trotz Unterernährung und ihrer Dokumentation Krankheit Schwerstarbeit verrichten So. 22.00„Vernichtung durch und wurden zumeist brutal schikaniert.
it⸗ ildert sie„Die Lebensdauer“, so Lea Rosh,„war die 1tenn vnnatt auf höchstens sechs Monate berech lingen im organisierten Arbeitsprozeß Viele aber haben nicht einmal e mittels extrem unmenschlicher Arbeits- ſ kurze Zeit überstanden. Als nicht mehr bedingungen. An diesem Programm be- arbeitsfähig wurden sie selektiert und teiligten sich zwischen 1938 und 1945 vergast.“
etwa 200 deutsche Industrie-Unterneh- Nach dem Krieg meldeten etwa men— darunter führende Firmen wie 100 000 Uberlebende dieses Mordpro- Krupp, Daimler-Benz, Flick, AEG und gramms Entschädigungen bei deutschen Siemens. Unternehmen an. In mühsamen Ver-
handlungen waren schließlich fünf von
Einen Versuch, diese Kriegsverbre- chen zu ahnden, unternahmen die Alli- ierten im Rahmen der Nürnberger Pro- zesse. Am 22. 12. 47 standen die Besitzer des Flickkonzerns, am 29. und 30. 7. 48 Vertreter der IG-Farben und am 31. 7. 48 die Inhaber des Krupp-Konzerns vor dem Militärtribunal. In allen Fällen wurden Schuldsprüche gefällt— es kam zur Beschlagnahmung des Vermögens und zu langjährigen Haftstrafen für die Verantwortlichen. Freilich, bereits An- fang der fünfziger Jahre wurden die Verurteilten amnestiert, ihre Vermögen wieder freigegeben und ihr Anteil an den Nazi-Verbrechen bagatellisiert.
über 200 Firmen bereit, gerichtlichen Vergleichen zuzustimmen. Lea Rosh: „Unter dem Druck der Offentlichkeit, vor allem in den USA, und weil sie auf dem Weltmarkt wieder ins Geschäft kommen wollten, zahlten sie schließlich. Aber sie zahlten wenig und nur an wenige. Von den 100 000 Antragstellern erkannten sie nur 14 000 an. Für jeden Antragsteller, je nach Firma und Dauer des Arbeitseinsatzes, gab es eine einma- lige Abfindung zwischen 375 und 5000 Mark.“ Ihre tiefe Enttäuschung über dieses Ergebnis äußern vor der Kamera neben direkt Betroffenen Telford Tay- lor, der amerikanische Hauptankläger
im Jahre 1984 mußte Lea Rosn die in den Mürnberger Prozessen, und 6
vittere Erfahrung machen, daß außer f iamin Ferenc? ein amerikanischer
Krupp kein Großunternehmen bereit der für die Opfer des Arbeitsprograrfüs war, selbstkritisch an der Aufarbeitung
ermittelte und seine Erfahrungen in dieser Vergangenheit mitzuwirken. dem Buch„Less than Slaves“(„Lohn Trotzdem hatte Lea Rosh keine Schwie- fl des Grauens“) niederlegte. rbh- rigkeiten, das Zusammenspiel zwischen
Industrie und NS-Bürokratie zu doku- mentieren. Die Beweislast— Doku- mente, Augenzeugenberichte, juristische und andere Ermittlungen— ist erdrük-
Film über KZ-Häftlinge in deutschen Firmen


