Heft 
1983
Einzelbild herunterladen

40

mpressionen einer Polenreise

Sieben Pakete für Lodz. Wär ste11en die Lastwagen am Bahnhof ab, mieten zwei Taxis und fFahren däe Le- bensmittel und dãe KLeidung därekt

zu den Menschen, für dde sde bestimmt sind. 2Zwei Pakete sind fün Amsze1

Cyme Tman. Hermann kennt ihn nächt, er we1B nur, daß es ihm schLlecht geht. Wir halten in einer schmalen Straße vor einem alten Haus. Seinen Namen fFinden wär im Durchgang zum Hinterhof. Ein düsteres Treppenhaus. Däe Farbe bLättert von der Wand, es 1st feucht. Das Haus wärkKt unbewohnt.

Einige Wohnungstiüren sänd mät groben Brettern vernaget. Ob häer noch ei- wohnt? Auf unser KLopfen hän- ren wi schLurfende Schrätte.

Die Tür Td einen Spalt breit geöff- net. Wäir stehen einem rund1ichen, Ktei- nen Mann gegenüber, der auf dem Hän- terkopf' ein Käppchen trägt, däe KipPpah, däie Kopfbedeckung der orthodoxen Ju- den. Hermann stelLLt sich vor, erkLärt unseren Besuch, sagt: Wir Auschwä tzer, wi missen doch zusammenhatten.

Der Mann guckt fassungsLos auf däe bei- den Pakete. Fün mäich? Thr habt dabei an mäch gedacht? Er kann es ncüt be- greifen, fFreut säch, schüttelt immer wieder ungLäubäg den Kopf. Das àst

wi PkKLich Für ch? Kommt rein.

Toœh sehe, wie Hermann vor Schreck dãe Luft anhält. Däese Vohnung äst ein einziges Chaos. Aus den Schränken 11t Wäsche und Geschärr. Auf dem FBboden, dem Bett, den Stühlen, dem Tisch stapeln sdch Ld duncheinan- der Decken, Kässen, Töpfe, Te1LLer, Tassen, Bücher, vergä Lbte Zeitschrä f- ten unck e§ne Unmenge von Pantoffe1n. Amsze1 Cymerman 4st Schuhmacher gewe- sen, die Wohnung war seine Merkstatt. Er fFordert uns freundLich auf, PLatz zu nehmen, aber wär wässen nicht, wo. Er schaufeLt zwei Stühle frei und

se tzt säch auf sein Bett.

Er strahlt und seine Freude beschämt

uns, Was väir ihm bringen, 1st wenig.

Kaffee, Tee, ö1, ein bäBchen Reis Dinge, däe vär jeden Tag übräg haben könnten. Und für das Bchen, was wr ihm brängen, 11 er uns beweisen, daß er wärTkLich ge1Litten hat. Er fragt: üchten säe meine Narben sehen? Oh Ein, bäitte nächt, wehrt Hermann ab. Die täefsten Wunden sind doch däe, däe man cht seht.

Der alte Mann näickt. Man sdeht es nächt, Ssagt er, aber sie bLuten noch immer.

ALLe totgemacht im Lager, sagt er, emand übri ggebLeben außer män.

Gottes Wi 11e und keiner weiB, warum. WäT schweigen. Er st wet weg mät sei-

nen Gedanken. WäF müssen jetzt gehen, sagt Hermann 1eise, däe Taxis warten. Amsze1 Cymerman steht auf, Legt seine Hand auf däe Tora, küßt uns auf däe Stärn. Dann umarmt er uns und weint. Unser Aufbruch äst eine FLucht. MWäir Lassen den weinenden Mann aLein. EFr schiebt uns aus der Tim und sagt: grüßt alle Kinder von mär, däe Hoff- nung säind däe Känder.

Hermann reibt sich däe Augen und gabt mäir sein Taschentuch: kKomm, wäsch däe Tränen ab, wär fahren veiter.

Die zweite Adresse in Lodz: Donata BorowskKa. Hermann kennt sie nächt, weiB nur, daß sde zMemLich Lange in rkKenau wa.

WäiF halten vor einem Zwei famã Lienhaus am Stadtrand. Bevor wär kKLinge 1n, guk- ken wäi uns an, derse Lbe Gedanke: wer Pd aufmachen.

Wär kKLinge 1m und kLopfen- es 1st nie mand da. Fast erleichtert überLegen wiP, däe Pakete einfach in den Vorgar- ten zu stelLen und einen Bräef dazuzu- 1egen. Aber da Ist pLötzLich eine 1ei- Sse fFreundLiche Stäimme hänter uns: 2zu wem wo1LLen se?

Eine Frau mät einer FEänkauf'stasche. Sie guckt uns an und ch denke: sie hat Auschwi tz- Augen. Fs ist, als könne man dunch däese Augen das Lager sehen.

Wir fürchten uns vor der Geschichte daeser Augen- aber säie 1äßt nächt zu, daß wär gLeich weder gehen.

Sie zeigt uns Fotos. Ein Mann 1m Sträf- Lingsanzug- ihr Vater, vergast in Auschwi tz. Däe beiden jungen Männer ihre Brüder. Erschossen von der Gesta- po im berüchtigten Varschauer Paw ak- Gefängnis. Sie nämmt ein kleines 1d aus der SchubLade- ein junges Mädchen, hre Schwester.

Se fragt: Kennen sde däe Ausste1Lung im Pawiak? Kennen sie däe B Lder der Menschen, däe hier gefoLtert worden sind, däe Aufnahmen von den 2Ze11Len? Toh hab mär diese Ausste1 Lung angeseh- en. Sie nimmt uns das Bi Id von ie Schwester ab, 1egt es ganz vorsichtig zurück in däe Schub Lade.

Ja, üch bän durch däese Räume gegangen damals- viele Jahre nach dem Kräege. Und da sehe Ich an der Vand eine re sengroße Fotografäe von einem jungen