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Rechte Terroristen gefaßt
Waren Deutsche an Anschlag auf Synagoge in Paris beteiligt?
BONN, 20. Februar(dpa). Mit der Festnahme der beiden mutmaßlichen Rechtsterroristen Walther Kexel und Ulrich Tillmann am Wochenende in der Nähe Londons ist jetzt nahezu die ge- Samte Terrorgruppe gefaßt, die in meh- reren amerikanischen Wohnsiedlungen in der Bundesrepublik Bombenan- schläge verübt haben soll. Kexel soll außerdem an einem Anschlag gegen eine jüdische Einrichtung in Paris mit sechs Todesopfern beteiligt gewesen Sein. Bereits am Dienstag waren in einer konspirativen Wohnung in Frank- furt a. M. Dieter Sporleder(22), Hans- Peter Fraas(22) und Helge Karl-Wulf Blaschke(40) festgenommen worden. Ein sechster Mann ist flüchtig.
Wie aus dem Innenministerium in Bonn bekannt wurde, soll Fraas als Mit- glied der inzwischen verbotenen„Wehr- sportgruppe Hoffmann“ bei den Palästi- nensern in Libanon militärisch ausge- pildet worden sein. Auch die anderen Verdãchtigen sollen Kontakt zur „Wehrsportgruppe“ gehabt haben. Meh- rere von ihnen gehörten außerdem der
Neonazis Zogen durch die City
Passanten angegritfen
Rund 50 kahlköpfige und uniformierte junge Männer sind am Samstagmittag mit neonazistischen Parolen durch die Frankfurter City gezogen. Sie griffen passanten an und demolierten einen Koufhausstand. Beim Erscheinen der Polizei stob die Menge auseinander. Den Beamten gelang es lediglich noch zwei Personalien zu ermitteln.
„Die„Skinheads“ hatten sich zunächst am Waldstadion gesammelt und waren dann— nach Absage des Bundesliga- spiels der Eintracht gegen Bielefeld— in die Stadt gefahren. Zunächst bewar- fen sie gegen 13 Uhr an der Hauptwache passanten mit Schneebällen. Dann grif- fen sie ein Ausländerehepaar an.
Schließlich zogen sie in den Kaufhof auf der Zeil und räumten einen Stand in der Kosmetikabteilung ab. Ein Kunde
erhielt einen Schlag ins Gesicht. Mög-
ſicherweise wurde ihm dabei das Nasen- bein gebrochen.
Die Gruppe fiel durch ihre einheit- liche Kleidung aus grünen Jacken, Bluejeans und Stiefeln auf. In Sprech- chören rief sie„Rotfront verrecke“ und „Sieg Heil“. Dabei war der rechte Arm zum„Hitlergruß“ erhoben. Die Polizei nahm zwei 18 und 19 Jahre alte Perso- nen aus Frankfurt und Mainz vorüber- gehend fest. habe
ebenfalls verbotenen„Volkssozialisti- schen Bewegung“ an. Nach Angaben der Polizei in London haben die deutschen Behörden, auf deren Ersuchen die bei- den festgenommen worden waren, die Auslieferung beantragt.
SPD-Kanzlerkandidat Hans-Jochen Vogel kritisierte am Wochenende heftig führende CSU-Politiker, die die„Wehr- sportgruppe Hoffmann“ lange als harm- los verteidigt hätten.„Für diese Ein- äugigkeit zahlen wir jetzt einen hohen Preis“, sagte Vogel nach Angaben von SPD-Sprecher Wolfgang Clement. Die Festnahmen zeigten die ganze Gefähr- lichkeit des Terrorismus von rechts, der von den Konservativen lange bagatelli- siert worden sei. Vogel nannte vor allem den bayerischen Innenminister Gerold Tandler(CSU).
Als Urheber der Anschläge auf Ange- hörige der US-Streitkräfte in Butzbach, Frankfurt a. M., Gießen und Darmstadt
waren zunächst die linksextremen „Revolutionären Zellen“ verdächtigt worden.
(Siehe auch Lokalteil)
Nazi-Buch bleibt verboten
ukn KARLSRURHE, 22. Februar. Das Buch„Der Auschwitz-Mythos, Legende oder Wirklichkeit?“ darf auch weiterhin nicht verbreitet werden. Diese Entschei- dung veröffentlichte am Dienstag der Dritte Strafsenat des Bundesgerichts- hofs. Der Tübinger Grabert-Verlag hatte gegen die Konfiszierung des Buches, die vom Landgericht Stuttgart im letzten Jahr verfügt worden war, peim Bundesgerichtshof BGE) Revision eingelegt. Die Straftatbestände der „Volksverhetzung“ sowie der„Verherr- lichung von Gewalt und Aufstachelung zum Rassenhaß“(„Paragraph 130, 131 StGB) seien verjährt. Da Autor(Wil- helm Stäglich) und Verlag strafrechtlich nicht mehr belangbar wären, könne das Buch nun auch nicht in einem gesonder- ten Verfahren eingezogen werden, so die Argumentation des Grabert-Verlages.
Der Dritte Senat wies diese Auffas- sung zurück. In einer Grundsatzent- scheidung stellte er fest, daß die Straf- verfolgungsveriährung gegenüber dem Täter die Einbeziehung von Schriften in einem gesonderten Verfahren nicht aus- Schließt. Auch der Inhalt des Buches rechtfertige die Konfiszierung, in dem die systematische Judenvernichtung in Auschwitz als„Vernichtungslegende“ dargestellt wird.(AZ.: 3 Str 414/32).
pPotter zeigt sich betroffen
LVON, 11. Februar(epd). Tief᷑ betroffen über die Tatsache, daß„Tausende von Nazis Asyl in lateinamerikanischen Län- dern gefunden haben“, hat sich der Ge- neralsekretär des Okumenischen Rates der Kirchen, Philip Potter, Vor. christ- lichen Publizisten in Lyon(Frankreich) geäußert. Potter, der von der karibi- schen Insel Dominica stammt, bezeich- nete den jetzt an Frankreich ausgelie- ferten und als„Schlächter von LVon“ pekannten Deutschen Klaus Barbie als ein„Produkt der europäischen Geschich- te“ Hitler, Barbie, Eichmann und andere NS-Verbrecher stünden am Ende des Zeitalters der„Aufklärung“, sagte Pot- ter der Tageszeitung„Le Monde“ zu- folge. Diese Epoche habe vier Dinge her- vorgebracht: die industrielle Revolution, die den Menschen der Maschine unter- tan gemacht habe, die Vereinigten Staa- ten mit Freiheit und Cleichheit für alle Menschen— außer für Schwarze und Indianer, die Französische Revolution, deren Wahlspruch„Liberteè, Egalité, Fra- ternité“ im Grunde vom Bürgertum al- lein beansprucht werde, und schließlich den rassistisch geprägten Imperialismus.
Deutscher Rechtsextremist in österreich angeklagt
WIEN, 24. Februar(AP/ra). Die Staatsanwaltschaft Wien hat gegen acht Ssterreicher und den Bundesdeutschen Ekkehard Weil Anklage wegen Verbre- chens der nationalsozialistischen Wie- derpetätigung erhoben. Wie das öster- reichische Justizministerium am Mitt- woch mitteilte, wurde die sich auf das einschlägige Verbotsgesetz stützende Anklageschrift peim Untersuchungs- richter des Landesgerichts Wien einge- reicht, gegen Attila Bajtsy und Ekke- hard Weil auch wegen Sprengstoffan- schlägen auf jüdisches Eigentum. Wei- tere Anklagepunkte sind das Ansam- meln von Kampfmitteln, Einbruchsdieb- stahl, Urkundenfälschung und Vergehen nach dem Waffengesetz.
Der Vorwurf der nationalsozialisti- schen Betätigung pezieht sich insbeson- dere auf jahrelange Aktivitäten im Rahmen der„Aktion Neue Rechte— ANR“ sowie im sogenannten„Nationali- stischen Bund Nordland— NBN“. Die Anklageschrift nennt dabei neben einer
Vielfalt publizistischer Propaganda auch die Veranstaltung„Wehrsport- licher“ Geländeübungen mit Jugend-
lichen und die gezielte Indoktrinierung mit nationalsozialistischem Gedanken- gut.
Ekkehard Weil ist auch den Behörden der Bundesrepublik als Rechtsextremist hinreichend bekannt. Der 30ährige frü- here Krankenpfleger hatte Ende 1970 einen Wachsoldaten am sowjetischen Ehrenmal in West-Berlin durch Schüsse schwer verletzt. Von einem britischen Militärgericht wurde er deshalb zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt, die er jedoch nicht ganz absaß. Weil nutzte einen Hafturlaub im Oktober 1979 zur Flucht. Danach war er zweimal in Brüssel und Wien festgenommen, doch nicht an bundesdeutsche Behörden ausgeliefert worden.


