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Alltag in den Konzentrationslagern
veranstaltungen in Butzbach zum 50. Jahrestag der Machtergreifung
Butzbach(ah).— Wie war es möglich, daß treusorgende Familienvä- ter Menschen erschießen oder ihnen mit Spaten die Schädel spalten konnten, oh- ne dabei die geringste Gefühlsregung zu verspüren? Es war möglich, weil man sie in SS-Uniformen gesteckt und zu blin- den Befehlsempfüngern gemacht hatte. Herman Reineck, Generalsekretär der Lagergemeinschaft Luschwii?, weilãs eigener, leidvoller Erfahrung, daß dies nicht nur möglich war, sondern zum Alltag in den Konzentrationslagern ge- hörte.
Es war an der Tagesordnung, berichtet er, daß SS-Männer Häftlinge während der Arbeit hinterrücks erschossen, weil sie dann als Belohnung für die Vereite- lung eines„Fluchtversuches'“ Urlaub bekamen.
Um einen Beitrag dazu zu leisten, daß dieses düstere Kapitel unserer Geschich-
te nicht in Vergessenheit gerät und um zu verhindern, daß eine Wiederholung jener verhängnisvollen Ereignisse mög- lich wird, erzählt Herman Reineck am kommenden Sonntag, dem 50. Jahres- tag der Machtergreifung, aus dem Le- ben der Hãlftlinge im Konzentrationsla- ger in Auschwitz.
Diese Veranstaltung findet auf Einla- dung des DGB-Ortskartells Butzbach, der Friedensinitiative, des Arbeitskrei- Ses„Nie wieder Krieg'', der Deutschen Kommunistischen Partei, der Demokra- tischen Sozialisten, des Aktionskreises gegen Ausländerfeindlichkeit und der Jugendinitiative gegen Arbeitslosigkeit statt. Beginn der Veranstaltung ist um 20.00 Uhr im Jugendzentrum in Butz- bach. Ebenfalls am Sonntag, 30. Ja- nuar, zeigen die Veranstalter den Film „Ein Tag in einem Konzentrationslager“. Die Vorführung beginnt um 16.00 Uhr im Jugendzentrum.
Am 30. Januar jährt sich zum 50. Male der Tag, an dem auf Drängen rechts- konservativer Kreise und mit Unterstüt- zung von Schwerindustie und Hochfi-
„Machtergreifung'' Hitlers
Sonderprogramm an der Weitigschule.5
Butzbach.— Zur Frinnerung an Hitlers„Machtergreifung' vor 50 Jah- ren und ihre für Deutschland und die Welt katastrophalen Folgen führt die
Weidigschule in dieser Woche ein Son- derprogramm durch, das von der Schü- lervertretung, der Gemeinschaftskunde- Fachkonferenz und der Schulleitung ge- meinsam vorbereitet wurde.
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nanz Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde, so der Aufruf der Veranstalter. Ziel der gemeinsamen Veranstaltungen der Unterzeichner sei es, nicht nur die Erinnerung an die Zeit des Faschismus wach zu halten, sondern gleichzeitig ge- genwärtigen Tendenzen, die eine wie- derholung der Geschichte denkbar er- scheinen lassen, entgegenzutreten.
Angesichts zunehmender Ausländer- feindlichkeit und faschistischer Umtrie- be auch im heimischen Raum, so der Aufruf, mahne der 50. Jahrestag der Machtergreifung, dem wiedererwachen- den Nazismus entgegenzutreten. Dar- über hinaus sei es das Vermächtnis der Millionen Toten des von den Nazis ent- fachten Zweiten Weltkrieges, der zu- nehmenden Kriegsgefahr entgegenzutre- ten. Die„Sieg-ist möglich-Strategie' der USA und das Uberlegenheitsstreben der NATO, das in dem verhängnisvol- len Beschluß zur Stationierung neuer Atomwaffen auf deutschem Boden zum Ausdruck komme, mache diese Gefah-
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Von Montag bis Donnerstag sehen alle Klassen 5 bis 10 je einen Film, der die Geschehnisse der damaligen Zeit behan- delt, und diskutieren in der sich an- schließenden Unterrichtsstunde bei ih- rem planmãßigen Lehrer darüber. Die höheren Klassenstufen 11 bis 13 werden am Donnerstag bzw. Freitag in der ei- nen Vormittagshälfte einen längeren Film zum„Dritten Reich'' sehen und in der anderen Hälfte einen Vertreter des antifaschistischen Widerstandes ken- nenlernen, der sich als Gast für Referat und Aussprache zur Verfügung stellt.
wieder
Faschismus-
wieder
Kriegl


