Todesurteil für jungen Sozialdemokraten
Hermann Reineck berichtete in einer Veranstaltung der Grünen
Münzenberg.—„Rückkehr un- erwünscht' las Hermann Reineck nach dem Krieg auf Seiner erhäſiengebiiebe- nen Karteikarte im Konzentrationslager Auschwitz. Das sollte das Todesurteil für den jungen Sozialdemokraten sein, der sich nach Hitlers Finmarsch in Osterreich einer Widerstandsgruppe an- schloß, verhaftet, gefangen gehalten und unter Foltern verhört wurde, bevor er nach Auschwitz mußte.
Es mutet wie ein Wunder an, daß er, mit dem festen Glauben daran, daß die Zeit der Faschisten vorübergehen müsse, die Schrecken von Auschwitz überlebte. In einer SSSonderkompanie sollte der KZ- Häftling dann noch in den Krieg ziehen; nach 12 Tagen konnte er flüchten und schloß sich erneut einer Widerstands- gruppe in Bad Aussee bis zum Kriegsen- de an.
Hermann Reineck, einer der wenigen Uberlebenden von Auschwitz, berichte- te über seine Erlebnisse in einer Veran- staltung der Grünen in Münzenberg: en- gagiert, betroffen, getrieben von dem Gefühl, vielen von dem damaligen Ge- schehen, seinen Ursachen und Folgen mitteilen zu müssen, solange er dazu noch in der Lage ist. 20 Jahre lang hat er Nacht für Nacht das Erlebte in Alp- träaumen wieder und wieder durchlebt,
ist schreiend aufgewacht.„Ich tu mir schwer mit dem Leben'', sagt er, der heute Sekretär des Internationalen Auschwitz-Kommitees ist. Der Graben zu den Angehörigen der eigenen Gene- ration, die sich damals durch Unterstüt- zung der Nationalsozialisten oder durch Schweigen mitschuldig machten und heute von nichts mehr wissen wollen, sei tief.
Hoffnung also auf die nachgewachse- nen Generationen? Genau diese Frage behandeln die„Thesen zum Verhãältnis der Deutschen zu Ausländern'', die in der gleichen Veranstaltung der Bundes- tagskandidat der Grünen für den Wet- teraukreis, Rudolf Schwedes, der Of- fentlichkeit vorlegte.
Er analysiert die Situation skeptisch. Das ungebrochene Fortleben des An- triebs, im anderen nur die Arbeitskraft, den Fremden, den Feind und nicht den Menschen sehen zu können, zeige, daß der Mechanismus, der zu Auschwitz führte, noch nicht ausreichend erkannt und verändert wurde. Wieder würden für wirtschaftliche Schwierigkeiten Menschen zu Schuldigen gemacht, die sich gegen die Rolle des Sündenbocks nicht wehren könnten.
Wenn aber in unserem Volk noch keine grundsätzlich veränderte Haltung durch Erinnerung, Finsicht und Erziehung
Informationswoche aus Anlali der„Machtergreifung' BUTZBACH.— Am Butabacher Weidig-Gymnasium ging gestern eine Informations woche zu Ende, die aus Anlgß der„Machtergreifung““ Hitlers vor 50 Jahren veranstaliet wurde. Ne- hen Frau Dr. Annemarie Welce und 4 ſred Marchant diskutierie auch der ehe- malige AuschwilgHftling Hermann
eingetreten sei, wenn auch die alten Par- teien nicht bereit seien, die Verantwor- tung zu tragen, die sie übernahmen, als sie die Ausländer riefen, müßten zumin- dest die, die zu einem anderen Verhalten in der Lage seien, sich zusammenschlie- Ben und fordern, daß die bei uns leben- den Menschen anderer Nationalitãt, Re- ligion und Kultur zu ihren Menschen- rechten kommen.
Reineck ſunser Bilch) mi den Schülerin- nen und Schülern der Stufen 7 55 13. Außerdem vurde ein Film vorgefiihrt, der Sich mit dem Nazi-Regime auseinan- dersetzt.
B
Hitlers„Machtergreifung' Butzbach.— Schwerpunktmaßig wurde im Januar-Geschichtsunterricht der Klasse 10 R der Stadtschule anlsßlich des 50. Jahrestages der„Machtergrei- fung'' Hitlers und der 40. Wiederkehr der Kapitulation in Stalingrad die Vi- deosendung„Unterm Hakenkreuz' be- handelt. Auf Anregung der Religions- lehrer Kiefer sowie der Geistlichen Kratz und Schlõsser wurde diese Problematik auch im Religionsunterricht der Klassen 8 R, 9 R und 10 R behandelt. Die Schü- ler hatten Gelegenheit, mit Hermann Reineck Münzenberg) über seine Erleb-
nisse während des Hitler-Regimes zu
diskutieren. J2 A.
M KLOSTER ARNSBUR6 wurde dieser Tage auf Initiative der Eigentümerin des Klosters, Madelei- ne Gräfin zu Solms-Laubach, eine Gedenktafel am Eingang zur Kriegsopferstätte angebracht. Die Ta- kel träãgt folgende Inschrift:»Zum Gedenken an die hier ruhenden 450 Opfer des Krieges und national- sozialistischer Gewalt: 1 ie 210 deutsche Sol- daten und Zivilpersonen, 1 Lette, 1 Luxemburge- rin, 3 Niederländer, 49 Polen, 1 Rumäne, 49 Sowjet russen, 1 Tscheche, 6 Ungarn sowie 128 Unbekann- te, darunter 81 Frauen und 6 Männer, die im Ar- beitslager Hirzenhain am 26. März 1945 von der GESTAPO und SS erschossen worden sind. Gestif-
. Solms-Laubach«. tet von Madeleine Gräfin zu S0 iFoto: 1)


