Heft 
1983
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En Zeitzeunge erinnert sich

Däie Famä. Lienfeier am Wochenende nach meinem 10. Geburtstag endete mät ei- nem Mi BkLang!!

Die Onkels, Karl und Eräch, waren da. Beide GemiüseLadenbesi tzer aus Span- dau und CharLot tenburg, Brüder mei- ner Mutter. Dazu der Jingste, Onke1 Rudäi, Schräftsetzer, Tax. fFahrer, Ba- nanenhändLer, Hãä. LfFsarbeiter, arbeits- Los, der sich beä uns*durchfraß l*

Die alLgemeine Lage war erörtert wor- den. Sie war hoffnungsLos Für kKLeine Leute, 2 Monate vor Ausbruch des

u 1ooo jährgen Reiches».

Hi tLer hatte Arbeit und Brot ver- sprochen. Durnch AnkurbeLung der WäTt- schaft! Er präsentierte den Stroh- halm der nnationalen Errettung so weTbewrKsam für Linke und Rechte, daß däe säich bald äm chten VoLkKs- gemeinschaftsnebel nächt mehr von- einander unterscheiden konnten.

Hinter ihrer MoLLe, dem Geburtstags- bier aus der Drei 13 terkanne, däe wãN uns 1Leisten konnten, saßen däe MEn- ner und skuterten mät sorgenvo1L- L1en Gesichtern. AlLs mein Vater, sonst ein sehr stäiLLer Mann, mät beiden Fäusten auf den Ausziehtäsch schlug, daßß PLatten und GLäser kKLapperten und dazu brüLLte: nH. t Ler, das be- deutet Krieg, Krieg, Kräeg!!* ten sogar däie Frauen aus ihrer Passi tãt auf. Man gäng stumm auseinan-

der.

Der 3o0. Januar fFand bei uns cht statt. Vaters seLbstgebautes Rad o Funktonerte an diesem Tage nächt.

Mi ch informemte däie Schule und de Straße über das Geschehen. Auf der Frankfurter ALLee gab es keine Kei.- Lereien mehr zwä schen Braunen- Ro- ten und berittener PoLizei.

Sie hatten zu den Abenteuern meiner K nderjahre gehörnt.

Ei nmal trat mäP ein Roter in den Hän- tern weiL ich nächt* Rot Front* schreien woLLte.

Tch begriff das doch gar nächt.

Und mein Vater hat zu mä† gesagt: n Wenn du* Hei L Hi tLer* schreist, tret ch däw in den Hintern.*

um schLimmsten aber war ein Gummä- tröster.

Mut ter nähte Morgenröcke. Tch soLLte sie abLiefern. Däe Bahn fFuhr nächt,

1ch gLaube, es war Streik.

s chreck-

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Toh var groß und kräftig und 14ef . t 2 Paketen von der Atzpodäenstraße bäis zum Straußberger PLatz. Ver mãt vem prügelte, weiB 1ch ncht mel. Tch war pLötzLch mi ttendran und

ein Ordnungshüter zu Pferyde, haute seinen Knüppel auf die 11inke Schulter. Tch fand ch vo11gepin- kKeLt, heulend in einer Hausf1Lure cke weder, neben meinen Paketen.

Jetzt marschzerten nur noch Braune. Sonst passierte nichts mehr,

u Es geht aufwärts,* sagten die Leute, In unserer Straße wehten

s chwarz- wei B-wote Fahnen. Die mit Hammer und Si chel waren verschwunden, und mein Vater Führte Buch über Ge- sinnungswandler däe sich Hakenkreuz- fahnen zugeLegt hatten.

Däe Angst hatte sich in däe Häuser verLagert. In unserer Schule gab man säch bewußt deutsch. Die nereM jugend warb um M tgLeder. Säe ver- sprach Lagerfeuerromantik kostenLos. Toch wäre so gerne n Pämpf* gewopden. Däie meisten Mi tschüler waren schon im JungvoLk, nur Kurt Loser nächt, Gerd Rosenthal und ich. Den beiden Judenkindern hatte der tLerjugend- Fühmerm keine HoheitSabzeichen, An-

s tecknade Im mät Adler und Hakenkreuz, ausgehändigt.

Das Wort vom verbre cherischen We1t- judentum hörte ich an diesem Tage

zum ersten Mal. Und als ch sto1z meine Anstecknadel meinem Vater zeig- te hat er sie zertreten und in den MüLLeimer geworfen.

Tch begriff das nächt; och begnifTF auch nächt, warum Lch de braune KLetterweste näicht anziehen so11te Tch hatte sie geschenkt bekommen, das ePste und einzige neue KLeidungsstück, das 1ch bäs zu meinem 11. Lebens jahr besessen hatte.

ch interessierte es nächt, daß 1ch MischLing 2. Grades war, nächt ganz arisch also, trotz meiner germani schen Größe und meinen bLauen Augen.

Däie KLetterweste hat näichts getaugt. Säi.e Fel an den Nähten rege1Lrecht ause inander,. Später erfuhr äch, Vater hatte sie vorsichtig mäit einer Ktz- natwonLösung behande1t. Fiim ch war der VerfalL fFast symboLsch.

Aber 1ch gLaube, meine FLtern hatten nur Angst vor meiner Schwatzhaftig- keit, wenn das gute Stück mit der vVerhaßten NatonaLfarbe bre im Ofen ge L1andet wäre.

Der Fami 1Lenfriede steLLte säich schneL-

Ler wäsder ein, als nach dem großen