Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 43
be aus dem Nachlass von Rabbi Chaim Zvi Wolnerman“.
Kein sicherer Ort
Das dritte Blatt wurde Rabbi Benni Kalmanson in der Jeshiva Hesder Ot- niel(Beit Va'ad Laorah, Westbankh), also eine Talmudschule für orthodoxe Wehrdienstleistende, übergeben und ist dort hinter Panzerglas ausgestellt. Bodners Tochter reagierte empört: „Der Fhemann meiner Tochter sagte mir: Das sollte nicht in privaten Hän- den sein, sondern in Vad Vashem.(..) Warum muss er es in seinem Haus aufbewahren? Und noch etwas: Otni- el liegt in den besetzten Gebieten. Und es ist kein sicherer Ort, um sie dort auf?ubewahren.“
Chronologisch gesehen wurde die Behauptung des gestohlenen Ori— ginals verbreitet, nachdem 1997 Lola Bodners englische Ubersetzung ihrer Memoiren„Milestones(1939-1949)“ gedruckt war und 1998/1 900 die ersten Ubersetzungs-Verhandlungen mit Jet- ti Wolnerman, der Rechteinhaberin von Chaim Wolnermans Buch, in J-— rusalem stattfanden. Ein Kontakt zwi- schen den Familien Bodner und Wol- nerman ist für die Zeit nach 1945 nicht bekannt. Da das Copyright der Gradowski-Abschrift bei Wolnerman liegt und offiziell seit 1990 angeblich kein vollstãndiges Original vorhanden Sein Soll, mussten alle Lizenzvereinba- rungen mit Jetti Wolnerman und spã- ter mit ihrem Sohn Jossi geführt wer- den. Der private Druck der 300 Fx- emplare von Wolnermans Buch wäre ihrem Sohn zufolge 1977 schr kost—
Spielig gewesen und hätte auf das Jahr 2022 umgerechnet etwa 50.000 U8S— Pollar gekostet. Chaim und Jetti Wol— nerman hätten dafür jahrelang Geld gesammelt, ihre Ersparnisse geopfert und Finanzierungshilfen von ihren Kindern erhalten. Es wäre daher nur allzu verständlich, wenn die Familie versucht hätte, die hohen Ausgaben wieder ein?ubringen.
Im Entwurf eines Artikels für das Bulletin„Die Stimme“ schrieb Kulka 1982, dass bereits die frühe Suche nach einem Verleger an finanziellen Fragen gescheitert sei:„Soweit ich weiß hat Wollnerman gebeten soll man ihm das Geld zurückzahlen, was er für die Handschrift ausgeben hat.
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In der Jeshiva Hesder Otniel ausgestelltes Originalblatt Gradowskis. Foto O M. Kili- an 2022


