42 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
diglich angemerkt, dass ein Teil von Gradowskis Schriften neben dem Kre- matorium gefunden und von Wolnerman„jetzt pu⸗ bliziert“ worden sei(8. 482).
Auch Anfang der 1980er Jahre, als sich der Auschwitz-Uberlebende und Sonderkommando- Historiker Erich Kulka um eine Verbreitung und
Ubersetzung von Grado- wskis zweitem Manus- kript bemühte, und der Filmregisseur und Journalist Nathan Gross das von Wolnerman herausgegebene Buch in dem israelischen Magazin Chatam (Nr. 49, 3. 12. 1982) besprach, war die Behauptung eines Diebstahls noch nicht bekannt. Kulka erfuhr von Wol— nermans Suche nach einem Verleger, als er Zwischen 1969 und 1978 in Vad Vashem arbeitete, und stand nach Wolnermans Tod mit dessen Witwe persõnlich in Kontakt. In seinem Arti— kel„Sonderkommando-Manuskript verõffentlicht“ schrieb er nach einem Interview vom 29. 11. 1983:„Laut Frau Jetka Wolnermann, die jetzt in Jerusa- lem lebt, existiert das zweite Manus- kript Gradowskis.“(Die Stimme der Auschwit?-Uberlebenden in Israel, Nr. 26, März 1984, S. 4)
Aufgrund des späten Zeitpunkts der Verbreitung und dem Nutzen für die Urheber der Erzählung ist die Diebstahls-Darstellung sehr zu hin- terfragen. Die Tochter Bodners be- zweifelte in einem Gespräch am
Kopien von Gradowskis Originalseiten, Dauerausstellung Holocaustmuseum Vad Vashem, Foto O M. Kilian 2022
28.3.2022 den behaupteten Diebstahl: „Er[Chaim Wolnerman, d. Verf] ver- breitet Unsinn. Wer weiß, wer ihm ge- glaubt hat. Vielleicht hat er es für Geld verkauft?“ Der Verbleib des Originals, abgesehen von drei Blät- tern(S beschriebene Seiten), bleibt jenseits aller Spekulationen unbe- kannt. Jossi Wolnerman zufolge seien alle drei Original-Blätter Vad Vashem zu Reproduktions?wecken übergeben worden(wo sie mit den Archivsigna- turen 77621-776273 paginiert wur- den), wovon zwei Blätter sogar vorü- bergehend als Leihgabe überlassen wurden. Allerdings wurden sie von ihm später aus persõönlichen Gründen zurückgeholt und werden aktuell zwi- schen anderen privaten Unterlagen in Klarsichtfolie geschützt aufbewahrt. In der aktuellen Dauer-Ausstel- lung wird seit dem 15.3.2005 des Son- derkommando-Aufstands und dessen Opfer Salmen Gradowski gedacht. Unter den fünf Reproduktionen steht auf einer Informationstafel:„Leihga-


