Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 41
Béatrice Smedley in Jerusalem im Frühjahr 1990 gegeben.“(Diario, S. 45, Fn 50). Auf Nachfrage konnte sich die Jiddisch-Ubersetzerin Smedley am 5. 10.2023 zwar an ein Gespräch, aber weder an ein Patum noch an Details erinnern und auch keine Aufzeich- nungen darüber finden. Das Gespräch sei nicht aufgenommen oder ander- weitig dokumentiert worden; sie ver- wies aber auf Philippe Mesnard, dem Sie seinerzeit geschrieben habe. Der renommierte Literatur-Professor und Fxperte für Sonderkommando-Hand- Schriften Mesnard bestätigte am 10.11.2023, dass die Angaben aus dem „inoffiziellen Interview“ nicht in an- deren Quellen erwähnt würden und die Details nicht mehr überprüft oder geklärt werden könnten.
In der zweiten Wolnermanschen „Familienausgabe“, der hebräischen Ubersetzung von Wolnermans Enkel Avichai Zur aus dem Jahre 2012,„In the Heart of Gehenna“, heißt es im Vorwort Zurs: Entsprechend der Aussage seines Sohnes, Jossi Wolner- man[Zurs Onkel, d. Verf.]), kopierte Wolnerman das Manuskript in mehre- re Noti?bücher. Kurz vor seiner EFin- wanderung nach Israel, während sei— ner Abschiedsfeier von seinen Freun- den wurde ihm fast sein gesamter Be- sit?, den er sich Stück für Stück nach dem Krieg angesammelt hatte, gestoh- len. Die Noti?zbücher mit der Ab— Schrift blieben in seinem Besitz, je- doch befand sich unter den gestohle- nen Gegenständen auch so gut wie das gesamte Manuskript.“(S. 21). Jossi Wolnerman fügte am 27.3.2022 in ei—
nem persönlichen Gespräch Details hinzu, die er vor Jahrzehnten von sei- ner am 7.2.2000 verstorbenen Mutter Jetti erzählt bekommen habe:„Sie hatten alles gepackt, sie hatten eine Menge Koffer. Sie gingen mit all ihren Freunden auf eine Party, in eine Bar oder s0 etwas. Und als sie nach Hause kamen, sahen sie, dass jemand alle Koffer gestohlen hatte. Sie ließen nur zwei Zurück: einen mit einer Torarolle und einen mit einigen Sachen für die Küche und die Kopien.“ Er bestätigte die Diebstahls-Parstellung, womit die Version, ein Koffer mit dem Manus- kript sei lediglich verloren gegangen, verworfen werden kann. Nicht er- wähnt wurden jedoch das Gradowski- Foto und alle fotografischen und Schriftlichen Zeugnisse von Chaim und Jetti aus der Vorkriegs- und Nachkriegszeit, die aus München mit— gebracht wurden und im Nachlass Wolnerman zu finden sind.
Zu Wolnermans Lebzeiten wurde die Behauptung, das Original sei ge- stohlen worden, nicht dokumentiert. Weder in seinem lückenhaften und kur?zen Vorwort im Gradowski-Buch von 1977, das mehr verschweigt als of— fenbart, noch in dem zeitgleich er— schienenen Gedenkbuch„Sefer Osh- pitsin“(Gedenkbuch Oswiecim), das von ihm, Aviezer Burstin und Meir Shimon Geshuri auf Jiddisch heraus- gegeben wurde, ist ein Verlust des Ori- ginals erwähnt. Im„Sefer Oshpitsin“ wurden die beiden Kapitel„An der Schwelle zur Hölle“ und„Im Herzen der Hölle“ auch als Werbung für das Gradowski-Buch abgedruckt und le-


