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(2024) 1/2024. Dezember 2024
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 39

des Zweiten Gradowski-Manuskripts problematisch, das zweifellos als be- deutendes Weltdokumentenerbe ei nesUntergrundarchivs des Grau ens im Vernichtungslager Auschwitz- Birkenau bezeichnet werden kann, sondern auch die Schilderung von Wolnermans Erben über den Verbleib des Originals der jiddischen Hand- Schrift ist fragwürdig. Chaim Wolner- man schreibt in dem von ihm heraus- gegebenen Gradowski-Buch am Ende seines Vorworts, dassKopien der Schriften Gradowskis in der zentra- len israelischen Holocaust-Gedenk- Stätte vad Vashem lägen und trot? zahlreicher Bemühungen noch nicht verõffentlicht worden wären. Damit wird suggeriert, dass in dem 1953 ge- gründeten, aber erst 1957 für die Gf fentlichkeit eröffneten Vad Vashem Kopien vom Original angefertigt wor- den seien.

Original oder Abschrift Davon gingen auch im Jahre 1982 Brich Kulka und 1990 Nathan Cohen aus, der in seiner Untersuchung der Sonderkommando-Manuskripte Diaries of the Sonderkommandos in Auschwit?: Coping with Fate and Rea- lity in denVad Vashem Studies von der Mikrofilmkopie des zweiten Gradowski-Manuskripts annahm, dass sieeine Kopie des Originals sei (S. 275). Tatsächlich wurden am 9.5. 1961 lediglich vier von sechs No- tizheften mit Wolnermans Abschriften im Archiv von Vad Vashem unter der Spulen-Nr. MM/I793 mikroverfilmt(es fehlten Heft 2 als Abschrift von Heft 1

Ausschnitt der Abschrift mit Unterschrift Wolnermans(Notizheft 3, S. 83), Foto O M. Kilian 2022

und Heft 4 als auszugsweise Abschrift von Heft 3). Der Iitel des Mikrofilms lautet:ein Manuskript über das Kon- zentrationslager Auschwit?, neben Besondere Bemerkungen steht: Eingereicht von Herrn Haim Woll- kerman ſSic] 4 Notizbücher. Offenbar blieb es unbemerkt, dass zwei Hefte(S& 6) in der mikrover- filmten Transkription Wolnermans mit seiner Unterschrift enden(S. 101, 211) und am Ende von Heft 6 sogar das Abschlussdatum seiner Transkriptio nen steht, der 17.1.1946(15. Shevat 5706˙¹). Aus dem Datum lässt sich schließen, dass Wolnermans im Sep tember 1945 begonnene Abschrift in Lauf a. d. Pegnit? beendet wurde, wo er in der Villa Knoll(Goethestr. 352) als Beauftragter des Staatskommis- Sars für die Betreuung der Juden in Bayern für den Landkreis Lauf tätig war und von israelitischen Kultusge- meinden ehemals geraubte jüdische Kultgegenstände in Empfang nahm. Ptwa im April 1946 z0g er mit sei- ner Ehefrau ohne amtliche Abmel- dung nach München, wahrscheinlich