32 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
der Stadt. Die bis dahin oft über Jahrzehnte angefeinde- ten Organisationen und Per- sonen fanden plötzlich Ge- sprächspartner in der Stadt und ihre Anliegen wurden ernst genommen.
Die Veränderungen gin- gen aber oft nur langsam und die Gefahr in alte Muster zu verfallen, wie z. B. bei der Diskussion um die Offnung des historischen Zugangs zur Gedenkstätte, bestand im- mer. Als der CSU-Bürgermeister Peter Bürgel(2002) gewählt wurde war diese Entwicklung aber nicht mehr zurück zu drehen. So sprechen heute die Mitglie- der aller Stadtratsfraktionen, aber auch der Oberbürgermeister, mit großer Selbstverständlichkeit vom„Lern- und Brinnerungsort Dachau“. Die Stadt steht zu dieser Geschichte. Und wer den Bürgermeister erlebt, spürt, dass es nicht ein politisches Kalkül, sondern seine ganz persõnliche Uberzeug ist.
Bei all den positiven Entwicklun- gen ist aber auch nicht zu überschen, dass sich das Gedenken und die Aus- einandersetzung mit dem Nationalso- zialismus zum eil entpolitisiert hat. Immer weniger Bezüge zu aktuellen Menschenrechtsverletzungen sind bei den Gedenkveranstaltungen und in der Auseinandersetzung mit den Jahren des Nationalsozialismus zu hören. Nicht nur ich würde mir oft mehr Klar- heit und Deutlichkeit wünschen. Es entsteht manches Mal der Eindruck, dass nicht zu viele Bezüge zu gegen- wärtigen Menschenrechtsverletzungen hergestellt werden sollen und die Not- wendigkeit von Menschenrechtsbil- dung in der Gedenkstãttenarbeit kaum geschen wird. Aber vielleicht braucht
es da auch noch Zeit, diese Fragestel- lungen wieder mehr in den Blick zu be- kommen. Wichtig bleibt, Entwicklun- gen kritisch zu begleiten, denn es gibt bis heute noch zu viele, die die Erinne- rung ablehnen, nicht für wichtig halten oder sich mit neonazistischen Inhalten
identifizieren.
Leider nicht mehr zu ändern sind die vielen, oft sehr persönlichen Verlet- zungen, die Menschen über viele Jahr- Zehnte erleben mussten, die sich für ein offenes und aktives Erinnern an diesen Teil der Stadtgeschichte engagierten. Viele haben sich schon sehr lange von der Stadt Dachau und der Arbeit der Gedenkstätte verabschiedet, weil i sich dieser Ausgrenzung und den per- Sönlichen Angriffen nicht mehr ausset- zen wollten. Die wenigsten von Ihnen sind in den letzten Jahren wieder zurückgekehrt. Das ist ein großer Ver- lust für die Stadt Dachau und die Ar- beit der Gedenkstätte. Verantwortlich sind die, die geglaubt haben, die Erin- nerung an das Konzentrationslager Dachau totzuschweigen, um es so aus der Brinnerung der Stadtgeschichte zu tilgen.
Klaus Schultz


