30 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Gutes Dachau, böses Dachau Existenz des KZ wird als Teil der Stadtgeschichte akzeptiert
Im Mitueilungsblan I201 der Lagergemeinschafi hutte Angelila Berghofer Sierru die 70657 066 als Freiwillige der Aktion Shnezeichen Hriedensdienste für ein halbes Jahr heim Balu der Evangelischen VemhnungsMirche auf dem Geldnde der KZ Gedenk- srůtte Dachuu migearbeilet haue überden Umgang der Sudt Pachau mit der Zeit ⁊ wit Schen 1933 bis I45 und der Geschichte des Konzentrationslagen berichtet. Der Blick- winiel ilres Beitruges endete in den Jhoher Jahren. Im folgenden Beitrag beleucher
Kiaues Schultz die Zeit danach und die akmellen Verhälmisse Klaus Schultz ist Diuuo
und veit I 0o7 an der Evungelischen VembhnungsMirche in der KZGedenkstnue Pach- au. Er ist Griindungsmiglied des Fõrdervereins für die Errichtung einer Mugendbe- gegnungsstätie(1966) und Mitglied des Präsidiums der Lagergemeinschaſt Dachuu.
Die Sorge um das Ansehen der Stadt Dachau, die man oft zum eigent- lichen Opfer dieser Zeit stilisierte, überlagerte viele Jahrzehnte die Erin- nerung an die über 200.000 Häftlinge und die mehr als 41.000 Toten des Kon- Zentrationslagers, das auch den Namen der Stadt trug. So stellte der parteifreie Oberbürgermeister Lorenz Reitmeier (1966-1996) das Dachau der Künstler- kolonie des 19. Jahrhundert vor und ge- gen die Jahre 1933 bis 1945, um die Zeit des Lagers, mit der guten Stadtge- schichte von Dachau zu überdecken. Bis in die neunziger Jahre hinein scheu- te Dachau vor seiner NS-Geschichte zurück- und noch heute wirft die Ver- flechtung von Stadt und Lager ihre Schatten.
Gutes Dachau, böses Dachau, NS- Vergangenheit ja oder nein. So einfach machten es sich damals viele. Wer mit dem Auto zur Gedenkstätte wollte, musste den Weg mühsam suchen. Denn Hinweisschilder fehlten in Dachau lan- ge Zeit. Nur stündlich fuhr ein Bus vom Bahnhof zur Gedenkstätte. Die Stadt wollte sich ihre 1200 jährige Stadtge- schichte nicht durch zwölf Jahre Nazi- Jerror verderben lassen. Auch mit den
wenigen noch verbliebenen Uberre- sten aus der Nazizeit machte die Stadt Ende der Achtzigerjahre kurzen Pro- zess: Das Gleis, auf dem die Häftlings- transporte ins Lager gebracht wurden, musste einem Radweg weichen. Und die gut erhaltene Kommandantenvilla, wurde„wegen Finsturzgefahr“ schnell abgerissen, um einen möglichen Stan- dort eines internationalen Jugendgä- stehauses zu verhindern.
Fast schon neurotisch reagierten Kommunalpolitiker, als K?ZUberle- bende wie Nikolas Lehner 1980 eine Internationale Jugendbegegnungsstät; te in Dachau forderten, um junt Menschen eine Ubernachtungsmög- lichkeit in der Nähe der Gedenkstätte und eine intensivere Auseinanderset- zung mit dem Thema zu ermöglichen. Der Dachauer CSUChef rief 1986 im Volksfest-Zelt die Parteigänger zur Abstimmung über das Haus auf und ein Stadtrat wollte die Errichtung„bis zum letzten Blutstropfen“ bekämpfen.
Heute scheinen sich die alten Res- sentiments in einem dunklen Nebel des Vergangenen aufgelöst zu haben: Der Dachauer Oberbürger Peter Bürgel eröffnet heute mit großer Selbstver-


