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(2013) 2013
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 29

die Erlebnisse der Mutter trau- matisieren wollen.„Mütter sind dazu da, um Knöpfe an- zunähen, nicht um im Gefäng- nis Zu sitzen“, erklärte sie. Zum anderen seien sie so damit be- schäftigt gewesen,„normale Menschen zu werden“, da ha- be es für die Aufarbeitung der Geschehnisse erst einmal kei-

hie Mutter Fdith Laker 1894 c4 1942)

5 Raum gegeben. Jahrzehntelang hat Lasker- Wallfisch Deutschland und auch die deutsche Sprache gemieden und sich geschworen, nie wieder ihre Füße auf deutschen Boden zu setzen. 1994 wurde sie dann das erste Mal„eid- brüchig“ Und als sich vier Jahrzehnte nach der Emigration ein Engagement ihres Orchesters in der Nähe des che- maligen Konzentrationslagers Bergen- Belsen ergab, habe sie dann doch die Gelegenheit ergriffen, mit eigenen Au- gen Zu schen, was nach so vielen Jahren aus dem Lager geworden war.

Seitdem geht sie häufig in Deutsch- land auf Vortragsreise und besucht vor allem Schulen, um hier von ihren Erleb- nissen im Holocaust Zu berichten. Da- mit hat sie gute Erfahrungen gemacht. „Die Schüler zeigen Interesse und stel- len gute Fragen.“ Besonders freut sich

wenn die Schüler sie uch zu ihrem Leben nach dem Natio- nalsozialismus befragen.„Denn das Le- ben ging ja auch danach noch weiter.“

Gefahr der Rückfälligkeit Bei der Veranstaltung in Butzbach wird Anita Lasker- Wallfisch nach Anti- semitismus in England und Deutsch- landgefragt. In England, sagt sie,„in- teressiert es mich nicht. Es gibt immer und überall Antisemiten.“ Aber in Deutschland bereite es ihr große Sor-

Großmutter Flora Lasker und die Eltern

gen.„Das ist wie ein Alkoholiker, der rückfãllig wird.“

Weitere eindringliche Schilderun- gen über die Diskussion in Butzbach liefert der Berichterstatter der Wet- terauer Zeitung, aus der die folgenden Absätze stammen:

Diese Frau, die davon erzählt, wie sie nach dem Krieg erfahren hat, in welchem Lager ihre Eltern ermordet wurden, sagt doch so viel Hoffnungs- volles.„Ich tröste mich mit den Leu- ten, die hier sind.“ Und sie sagt:„Ich verlasse mich auf die fundamentale Anständigkeit des Menschen. Sie sind jung, tun Sie das Ihrige dafür.“ Inzwi- schen ist sie regelmäßig in Deutsch- land, liest auch vor Schulklassen. Das bezeichnet sie als ihren„Job“.„Es ist eine Pflichterfüllung. Es darf niemals vergessen werden, auf welchen Iief- punkt eine Zivilisation sinken kann.“

Schr beeindruckt sei sie,„was hier passiert“, fäãhrt sie fort und lãsst ihren Blick durch die Sitzreihen schweifen. Das Publikum- junge Menschen, alte Menschen-schaut sie an. Als sie ge- fragt wird, ob sie glaubt das so etwas Schreckliches noch einmal passieren kann, antwortet sie:„Ich hoffe nicht“, und dann noch einmal, wie ein leises Echo,„ich hoffe nicht.“

* hessencam. de“ hat den Vortrag von Anita Lasker-Wallfisch am 8. Mai aufgezeichnet. Er ist auf youtupe in sehr guter Qualitãt zu empfangen und bei Suchmaschinen bei Ein- gabe der Namen„Lasker- Wallfisch“ und Butzbach? leicht Zu finden.