Heft 
(2013) 2013
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18 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

„Lebensunwert“

Als erbkrank“ stigmatisiert und nur knapp der NSEuthansie entkommen Gedenkveranstaltung in Bad Vilbel

Am 27. Januar 1945, wurde das Vernich- tungslager Auschwitz Birkenau von der Roten Armee befreit. Dieses Jahresdatum ist seit 1996 ein gesetzlich verankerter Gedenktag, an dem allen Opfergruppen des Nationalsozialismus Ehre bezeugt wird. Ende Januar 2013 standen bei einer Gedenkveranstaltung der Lagerge- meinschaft Auschwit?-Freundeskreis der Auschwitzer die Menschen im Mittelpunk, de- nen wegen ihrer psychischen Erkrankung bzw. wegen einer als„erbkrank? zugewiesenen Stigmatisierung das Recht auf Leben ab- gesprochen wurde. Mitveranstalter am 31. Januar im Kulturzentrum Alte Mühle in Bad Vilbel waren das Kulturamt der Stadt und der õrtliche Geschichtsverein.

Gezeigt wurde der Dokumentarfilm„Lebensunwert“, in dem am Beispiel des authentischen Schicksals von Paul Brune die Geschichte der Psychiatrie im Prit- ten Reich nachgezeichnet wird. Humanistische Werte wurden durch rassenideolo- gische Vorstellungen völlig verdrängt. Die menschenverachtende Behandlung der Patienten in der Anstaltspsychiatrie geriet geradezu zu einem Dogma. Was 1934 mit massenhaften Zwangssterilisationen begann, endete ab dem Jahr 1939 für mehre- re hunderttausend Menschen mit der Ermordung im Sinne der„Rassenhygiene“ und der„Vernichtung unwerten Lebens“, der so genannten„Futhanasie“.

Paul Brune überlebte, obwohl man ihn 1943 als Achtjährigen in die Provin- zialheilanstalt Dortmund-Aplerbeck, eine der Tötungsstationen der„Kindereut- hanasie“, eingewiesen hatte. Seine vom Fhemann misshandelte Mutter hatte ver- sucht sich zu tõten und war in die Psychiatrie eingeliefert worden. Sohn Paul wurd „Srerbte Geisteskrankheit“ unterstellt.

Nach Ende des NS-Regimes wurde Paul Brune weiterhin jahrelang in der Psy- chiatrie festgehalten. An den strukturellen Verhältnissen wurde wenig geändert, Misshandlungen der Patienten blieben an der Jagesordnung. Erst 1957 wurde die Entmündigung von Paul Brune gerichtlich aufgehoben. Er studierte, legte das Staatsexamen ab und wollte Lehrer werden. Doch weiterhin verfolgte ihn das Stig- ma, ein Irrer“ zu sein. Gutachter, die ihre im Dritten Reich begonnenen Karrie- ren in der Bundesrepublik fortsetzen konnten, verweigerten ihm von Amts wegen die Ausũbung des gewünschten Berufes. Erst 2003, nach fünf Petitionen, wird Paul Brune als Verfolgter des Nationalsozialismus anerkannt.

Paul Brune

In den folgenden beiden Beiträgen lesen Sie die Rede, mit der ILGAVorsit- zender Uwe Hartwig bei der Veranstaltung am 31. Januar ins Thema einführte, So- wie eine Zusammenfassung des Films und der anschließenden Diskussion mit Regisseur Norbert Krieg.