16 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Blick vom Torgebäude in Birkenau auf das Innere des Lagers.
ich gestanden, wenn ich nicht eines der Opfer gewesen wãre? Wãre ich ein Mit- tãter geworden? Hãätte der Krieg auch in mir das Schlechteste hervor ge- bracht? Hätte ich mich gewehrt und Widerstand geleistet? Diese Fragen sind nicht zu beantworten, aber es las- sen sich zumindest Annäherungen an eine Antwort finden und diese Annãhe- rungen sind mir im Stammlager bewus- st geworden.
Mir wurde klar, dass der Grad zwi- schen Opfer und Täter ein schmaler ist und war, und dass es im Endeffekt nur eine Verkettung von Zufällen oder Er- eignissen ist, die einen auf die eine oder andere Seite bringen konnten und brachten. Und dann? Wie viel Mut hat man dann? Denn es geht in diesem Mo- ment auch um das eigene Leben und das Leben der Angehörigen.
Das, was die Opfer durchlebt ha- ben, macht sie nicht automatisch zu
besseren Menschen. Ich glaube sogar, dass wenn sie die Möglichkeit gehabt hätten- wie die Kapos eine andere Rolle einzunchmen, hätten sie diese auch genutzt. Der Wille zu Uberleben ist manchmal stärker, als die Reue des Gewissens.
Dennoch ist es der pure Wahnsinn was Menschen anderen Menschen an tun können, egal, wie die Umstände und Rahmenbedingungen auch immer sein mögen, ob gezwungen oder nicht, ob das Uberleben auf dem Spiel steht oder nicht.
Täter ohne Schuldbewusstsein So moralisch gefestigt man auch zu sein scheint, im Endeffekt wird man vor Entscheidungen gestellt, deren Aus- maß man vielleicht manchmal erst im Nachhinein erkennt. Aber eine direkte Beteiligung an den Massenmorden, die kann man nicht einmal vor sich selbst


