Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 7
Tãter im weißen Kittel namhaft gemacht
Zum Tod des NSForschers Ernst Klee Ein Leben lang auf Seiten der Opfer
„Die Leiden der Op- fer übersteigen das Vor- stellungsvermögen.“ So
sümierte einst ein Mün- chner Richter, der über grausame Medizinversu- che im Konzentrationsla- ger Dachau zu urteilen hatte. Sein Mitgefühl für diese Opfer hat den NS- Forscher Ernst Klee ein Leben lang darin be- stärkt, die Täter solcher Verbrechen ausfindig zu machen und öffentlich an?zuprangern. Bis zulet?zt hat er in seinen Büchern tausende Schuldige unerschrocken benannt. Am 18. Mai dieses Jahres ist Ernst Klee im Mlter von 71 Jahren in Frankfurt am Main gestorben.
Ich lernte ihn im Oktober 1973 Kennen, als er den Kurs„Bewdltigung der Umwelt“ an der Frankfurter Volkshochschule leitete. Engagierte Bchinderte und Nichtbehinderte ka- men darin zusammen, um gemeinsam für den Abbau von baulichen Barrie- ren sowie von Vorurteilen zu kämp- fen. Diese Gruppe machte alsbald mit spektakulären Aktionen von sich re- den. BRollstuhlfahrer blockierten Straßenbahnschienen aus Protest ge- gen die Unzugänglichkeit öffentlicher Verkehrsmittel für Behinderte. Wir konstruierten eine Rampe vor der
Ernst Klee(1942- 2013)
Frankfurter Hauptpost, da diese offenbar nicht in der Lage war, selbst für einen behindertenge- rechten Fingang zu sor- gen. Und wir schockier- ten lokale Politiker mit dem ironischen Ange- bot, sie könnten sich bei uns gan? billig einen „Behinderten zum Fest“ ausleihen, um kurz vor Weihnachten ihr soziales Image aufzubessern.
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Aus diesem Kurs haben sich le- benslange Freundschaften entwickelt. 8so auch zwischen mir und Ernst Klee Sowie seiner Frau Elke, langjährige Pfarrerin in Frankfurt-Rödelheim. Ernst, dessen Zielstrebigkeit und Ideenreichtum ich immer bewundert habe, war damals- nach einem Studi- um der Theologie und Sozialpãdogo- gik als freier Journalist für verschie- dene Rundfunkanstalten und„Die Zeit“ tätig. Seine Themen: Strafgefan- gene, Obdachlose, Gastarbeiter, psy- chisch Kranke, Behinderte und ande- re Benachteiligte. Sein„Behinderten- Report“ aus dem Jahre 1974 wurde zum Standardwerk über, wie es auf der Umschlagseite heißt,„die Proble- me der größten Randgruppe in unse- rer Gesellschaft: mindestens sechs Millionen körperlich und geistig Be- hinderte, die sich gegen ihre Existenz


