28 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
der Führung eines polnischen Juden namens Jossel daraufhin die Matratzen und Pritschen in Brand um wenigstens auf diese Weise das Gebäude zu be- schädigen. Die Granaten detonierten jedoch nicht, weil der durch den Brand Später eingestürzte Dachstuhl das Ver- steck unbegehbar machte. Durch das sich schnell ausbreitende Feuer und die Rauchentwicklung wurden die Brand- stifter wieder ins Freie getrieben und dort von der S8 erschossen.
Der Kapo von Krematorium IV. Shlomo Kirszenbaum, forderte sein Kommando auf sich in das gegenüber- liegende Krematorium in Sicherheit zu bringen. Dies gelang etwa 100 bis 120 Häftlingen, die sich dort schließlich versteckten. Die restlichen, noch nicht gefallenen Häftlinge suchten Schut? hinter Krematoriumsgebäude III eine reelle Fluchtmöglichkeit bot sich ihnen nicht. Auch diejenigen, die sich dadurch zu retten suchten, daß sie sich nicht be⸗ teiligten und augenscheinlich ergaben. wurden von den Kugeln niederge- streckt. Offensichtlich nutzte die 88 nun die Gelegenheit, die Häftlinge gleich vor Ort zu ermorden.
SS-Aufnahme von Angehörigen der Ef- fektenkammer III vor einer Sortierba- racke im Effektenlager I. Herbst 1943. Z. Person von rechts: SS-Unterscharführer Fran? Wunsch.(Privatfoto)
Einem griechischen Juden gelang die Flucht unter dem nicht elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun in das be- nachbarte Effektenlager, wo er sich in der Sortierbaracke 14 zu verstecken versuchte, jedoch von einem Häftling des Kanada- Kommandos beobachtet und denunziert wurde, der den dienst- habenden, 22 Jahre alten SS Kom- mandoführer Franz Wunsch rief. Die- ser nahm den Flüchtling fest u übergab ihn am Lagertor einem S8 Posten.
Inzwischen rückte aus der Feuer- wache im Stammlager Auschwitz die um 13150 Uhr alarmierten und jeweils 9 Mann starken Abteilungen 1 und II des Häftlings-Feuerwehrkommandos aus um den Brand in Krematorium II zu löschen, doch auch sie gerieten in dem Chaos unter Feuer. Bei der wilden Schießerei auf dem Gelãnde von Kre- matorium IIl und IV wurden auch un- beteiligte Häftlinge von Krematorium [V verwundet, die sich in Sicherheit zu bringen versuchten und von Quer- schlägern getroffen wurden. Finige von ihnen wurden in die eigens für die Hãftlinge des Sonderkommandos ein- gerichtete Krankenstube im Hãftling krankenbau in Bauabschnitt B Il f eim? geliefert und dort operiert. Dieses Glück wurde aber nur denjenigen zu- teil, die wie der Stubendienst Abram Dragon von einem ihm bekannten S8— Angehörigen vor der willkürlichen Er- schießung gerettet wurden.
Die Hãftlinge, denen die Flucht auf das Krematoriumsgelãände IV gelang. mußten sich auf den Vorhof des Kre- matoriums mit dem Gesicht nach un- ten auf den Boden legen, wonach jeder Dritte als Repressalie erschossen wur-


