Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 27
ten befanden sich vermutlich auch zwei der Hãftlingsärzte des Sonderkomman- dos, der 48 jährige Allgemeinmediziner Dr. Leo Havas aus Munkacs und der SOjährige ehemalige Keiter der derma- tologischen Abteilung im Krankenhaus in Munkacs, Dr. Zoltan Peters.
Die auf dem Apellplatz verblie be- nen 286 Häftlinge wurden daraufhin der für den Transport bestimmten Se-
ktion unterzogen und der Liste nach Ausgerufen. Plötzlich trat der S4jãhrige polnische Jude Chaim Neuhoff aus ei- ner Reihe hervor und griff einen S8— Angehörigen unter Hurra-Geschrei mit
einem Hammer an. Sowohl der Angriff
als auch der Ausruf„Hurra“, der ur— sprünglich das Signal zum Aufstand ge- ben sollte. lõste die Kampfhandlungen aus. Neuhoff gehörte vermutlich selbst aufgrund seines Alters und seiner ho- hen Häftlingsnummer aus einem Sos- nowitzer Transport vom Frühjahr 1944 zu den potentiellen Selektions-Opfern. Aus Sicht der Widerstandsführung war von ihm bei einem großen Aufstand nicht viel zu erwarten, darum erhielt er auch keine Protektion. Neuhoff belehr- te sie eines besseren., er entschloß sich — Rebellion und wagte den Schritt.
en monatelang viele sehnlichst herbei- gewünscht, aber den bisher keiner ge- wagt hatte. Vielleicht gelang ihm dies aber auch. weil er zu den von Primo Le- vi sogenannten Luftmenschen gehört hatte, Zu Häftlingen also, die nach dem Verlust von Heimat, Zuhause und Fa- milie außerhalb der Welt standen“ und nichts mehr zu verlieren hatten.
Die S8 zog sich daraufhin in sichere Stellungen zurück und eröffnete das Feuer auf die Aufstãndischen, zwei S8- Angehörige flüchteten mit ihren
Fahrrädern und forderten Verstärkung an, die als Alarmbereitschaft und mit automatischen Waffen und Handgra- naten ausgerüstet auch innerhalb weni- ger Minuten von der 1,3 km entfernten Kaserne anrückte. Die im Mauerwerk der Häftlingsunterkunft verborgenen selbstgefertigten Granaten wurden von ihrem Verwalter, dem zur Widerstands- bewegung zugehörigen Stubendienst Shlomo Dragon nicht freigegeben und kamen darum auch nicht zum Einsatz. Den Aufständischen blieb daher nichts anderes übrig, als sich mit Steinen, Messern, Werkzeug oder den blanken Fäusten zur Wehr zu setzen. Sicherlich waren sie auch von der mangelnden Beteiligung ihrer Kameraden über- rascht und irritiert.
Im Unterkunftsraum von Kremato- rium I steckten einige Hãftlinge unter
Dr. Leo Havas(1895- 1944), Munkacevo 1937.(Privatfoto)


